Von Seeohren bis Schlangenkopffisch – der Koreaner mag sie alle

von Redaktion

Der kal-baram trägt zurecht seinen Namen. Wörtlich übersetzt heißt er: Messerwind. Und tatsächlich messerscharf pfeift er hier in der Region von Gangwon übers Land. Für die Olympiabesucher hat er vorwiegend unangenehme Eigenschaften. Er ist eiskalt, bläst unaufhörlich, stört Skispringer, Abfahrer, Snowboarder, Biathleten. Doch die Einheimischen haben sich mit ihm arrangiert. Der Messerwind bewegt die vielen Windräder und er trocknet den Seelachs, den die Koreaner hochachtungsvoll „Fisch der Nation“ nennen.

Die ausgenommenen Lachse hängen zu abertausenden auf Holzgerüsten, die ungeschützt in der freien Natur stehen. Wobei sich der sogenannte „myeongtae“ winters in der trockenen Zugluft zum „hwangtae“ verwandelt, dem im ganzen Land geschätzten Trockenfisch. Ganz besonderer Beliebtheit erfreut sich diese Delikatesse bei Nachtschwärmern. Der „hwangtae“ wird morgens zu Suppe aufgetischt und soll bei alkoholbedingtem Kater wahre Wunder wirken.

Fisch und andere Meeresfrüchte zählen zu den bevorzugten Nahrungsmitteln auf der südkoreanischen Halbinsel. Es gehört allerdings bisweilen einige Überwindungskraft dazu, sich als Mitteleuropäer mit den entsprechenden Spezialitäten anzufreunden. So lässt sich nicht unbedingt behaupten, dass der Streifzug durch den Fischmarkt von Gangneung sonderlich appetitanregend gewesen wäre. Glitschige, zuckende, klumpenartige Kiementiere entdeckten wir da in grünlichen Bottichen. Dazu Seegurken, getrocknete, weithin riechende Rochen, Kugelfische, sogenannte Seeohren (die ungefähr so ausschauen, wie man sie sich vorstellt), Schlangenkopffische. Auch die Verkostung von Rohfisch, der in Pepperonipaste und Essig getaucht wird, erschien uns irgendwie bedenklich.

Sicher, es ist eine Binsenweisheit, dass viele Speisen besser schmecken, als sie im Urzustand ausschauen. Aber nahezu unmöglich erschien uns, jemals diese weißwurstartigen Kreaturen, die sich in einer großen Schüssel krümmten, zu goutieren. Angeblich handelt es sich hierbei um eine koreanische Delikatesse. Die treffende Bezeichnung dieser den Würmern zugerechneten Spezies: „Penis-Fisch“.

Die Verkäuferin am Fischstand interpretierte unser Erstaunen über diese zweifelhafte Gaumenfreude jedoch offenbar als kulinarisches Interesse, ergriff ein paar der grusligen Dinger, streckte sie uns entgegen und sagte auffordernd: „Värrry good!“ Wir zogen es vor, das Weite zu suchen, schnell wie der Messerwind. Armin Gibis

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