Köln – Mit seinen knapp 37 Jahren hat Timo Boll schon viel erlebt, doch diese Nachricht wollte selbst der Tischtennis-Altmeister nicht glauben. „Als Dimitrij Ovtcharov vor wenigen Tagen zu mir kam und meinte, ich sei im März wieder die Nummer 1 der Weltrangliste, glaubte ich zunächst an einen Scherz“, sagte er. Ein Scherz war das aber nicht. Zum vierten Mal bestieg Boll den Tischtennis-Thron – eineinhalb Jahrzehnte nach seiner Premiere.
Stolze 36 Jahre und 356 Tage hatte der Rekordeuropameister auf dem Buckel, als der Weltverband ITTF gestern sein neues Ranking veröffentlichte. Er profitierte vom neuen Weltranglisten-System, das Vielspieler seit Januar begünstigt. Trotzdem: Nie zuvor hat ein Spieler in diesem Alter den Sprung an die Spitze geschafft.
Die Huldigungen folgten daher schnell. „Timo Boll hat schon längst den Status einer Legende und gehört nun immer noch zu den absolut besten Spielern der Welt“, sagte DTTB-Ehrenpräsident Hans Wilhelm Gäb. Bundestrainer Jörg Roßkopf ergänzte: „Er hat nicht nur ein herausragendes Jahr 2017 gespielt, sondern im neuen Jahr auch gleich wieder auf sehr hohem Niveau begonnen.“
Entscheidend für Bolls Coup war sein sechster Triumph beim Europe Top 16 in Montreux Anfang Februar. Im Finale hatte er seinen Nationalmannschafts-Kollegen Ovtcharov bezwungen – und eben diesen verdrängte er nun auch von Position eins. Zwar merkte Boll an: „Ich glaube weiterhin, dass Ma Long, Fan Zhendong oder Ovtcharov die Besten sind, auch wenn der Computer etwas anderes sagt.“ Für die Team-WM (ab dem 29. April in Halmstad/Schweden) stehen die Chancen auf den ersten deutschen Titel glänzender denn je. sid