Montagsdemos in der Bundesliga

Der Kunde meldet sich

von Redaktion

Die Dortmunder Fans genießen zurecht einen exzellenten Ruf. Sie besitzen ein feines Gespür für Schwingungen, sind treu, begeisterungsfähig und laut, aber in einer Kategorie haben sie zuletzt ihren Meister gefunden. Origineller sind die Frankfurter.

Wenn es darum geht, die Abneigung gegen Montagsspiele zum Ausdruck zu bringen, sind die Hessen besonders findige Anarchisten. Vergangene Woche protestierten sie nicht nur mit Trillerpfeifen, sondern ließen auch Tennisbälle auf den Rasen regnen. Die Eintracht untermalte den Widerstand akustisch, indem sie die 80er-Hymne „I don’t like Mondays“ über die Lautsprecher laufen ließ.

Es ist mehr als nur der frustrierte Einspruch von Ohnmächtigen, die wissen, dass eh keiner auf sie hört. Die schrille Kulisse in Frankfurt und die klaffenden Lücken auf der Dortmunder Tribüne haben eine andere Qualität. In einem Sport, dessen Verantwortliche auch vor größeren Zumutungen nicht zurückschrecken, solange es dem Budget dient, ist der Gegenwind bis in die Chefetagen spürbar.

Längst zeichnet sich ja ab, dass der ungeliebte Termin nur wenig mit seinem offiziellen Zweck (mehr Erholung für Europa League-Teilnehmer) zu tun hat. Selbst der Fernsehsender, der für den zusätzlichen Spieltag – und damit den ganzen Ärger – viel Geld gezahlt hat, kam zuletzt nicht umhin, das Thema aufzugreifen. So schließt sich der Kreis auf eine Weise, die die Branche so noch nicht kannte.

Bisher schien der Fußball in seinem Streben nach Profit auf einer eigenen Umlaufbahn unterwegs zu sein, unbehelligt von den Realitäten der Märkte, kritischen Geistern oder manchmal auch nur gesundem Menschenverstand. Zuletzt aber ist etwas in Bewegung geraten. In der Champions League ahndete die UEFA nach einem Aufstand von Bayern-Fans überhöhte Ticketpreise, in England hat sich das absurde Wachstum der TV-Einnahmen empfindlich abgekühlt. Verglichen damit sind die Aktionen in Frankfurt und Dortmund noch eine zarte Form des Widerstandes. Doch dass die Debatte Fahrt aufgenommen hat, ist offensichtlich. Letztlich entscheidet der Fan selbst (also der Kunde), was er mit sich machen lässt. Tennisbälle sind originell. Der Verzicht auf Eintrittskarte und Pay-TV ist schmerzhafter.

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