Geschichten von Olympia

von Redaktion

DEL geht heute weiter – ohne die Münchner, die in Ruhe ihre Erlebnisse erzählen dürfen

München – Christian Ehrhoff wurde am Montag in Frankfurt von Familie und Fans willkommen geheißen – ein herzförmiger roter Luftballon schwebte dem Verteidiger der Kölner Haie entgegen. Teamkollege Moritz Müller durfte sich ebenfalls über einen frenetischen Empfang freuen – er ist Hesse, die Freunde hatten keine weite Anreise. Felix Schütz, der dritte Kölner, flog noch weiter nach München, um kurz bei der Familie in Erding vorbeizuschauen. Applaus für die Silber-Jungs.

In Köln werden sie ihn so bald nicht zu hören bekommen. „Wir haben leider drei Auswärtsspiele“, sagt Ehrhoff. Heute in Iserlohn, Freitag in Mannheim, Sonntag in Ingolstadt. Alles Partien, bei denen die Nationalspieler unverzichtbar sind: Die Haie, derzeit Fünfter in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), können leicht noch auf einen Pre-Playoff-Platz abrutschen.

Lediglich der EHC München, der als Erster mit neun Punkten und der Tordifferenz als weiterem Plus über den Dingen steht und halboffiziell bereits Hauptrunden-Meister ist, kann es sich erlauben, seine Olympia-Fraktion abtauchen zu lassen und die Spiele heute (19.30 Uhr in Berlin) und am Freitag (in Bremerhaven) mit einer etwas dünneren Truppe zu bestreiten.

Die Münchner Spieler räumen ein, dass das Turnier weh getan hat: Sieben Spiele in elf Tagen auf diesem Niveau, vier Mal Verlängerung. „Vom Halbfinale zum Finale war schon sehr fordernd“, erklärt Dominik Kahun. „Auf dem Eis, wenn man fokussiert war, sind die Beine von alleine gelaufen“, sagt Yannic Seidenberg. Zwei, drei Tage später fühlen sich die Beine aber an, „als wäre dir jemand reingesprungen“.

Seidenberg ist randvoll mit Eindrücken von Olympia heimgekehrt. Dass er US-Skistar Lindsey Vonn kennenlernte und am Abschlussabend ins Deutsche Haus lotste, hat ihm verstärkt Interviewanfragen eingetragen. Dabei ist er nur der zweitberühmteste Seidenberg im Eishockey, sein älterer Bruder Dennis hat schon den Stanley-Cup gewonnen und spielt bei den New York Islanders in der NHL. „Unser Finale hat er in Toronto gesehen“, sagt Yannic. Er kommunizierte mit Dennis, bei Olympia-Qualifikation und WM 2017 im Nationalteam dabei, aus der Kabine in Pyeongchang, streamte Bilder von der Mannschaft.

Frank Mauer begann als überzähliger Stürmer auf der Tribüne, ab dem zweiten Spiel (0:1 gegen Schweden) war er im Team, im Halbfinale gegen Kanada erzielte er das 3:0, das schönste Tor des Turniers. „War schon lange in der Trickkiste, doch es muss die Situation kommen, wo’s passt.“ Er wird das noch öfter im Leben erzählen müssen. Günter Klein

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