Hamburg – Nicht in der beliebten Sportschule Fuchsbachtal in Barsinghausen, nicht im altehrwürdigen Sportzentrum Malente – mit einem „Trainingslager tu Huus“ schwört sich der Hamburger SV auf das Alles-Oder-Nichts-Spiel gegen Mainz 05 ein. Im Steigenberger Hotel Treudelberg, keine 20 Kilometer vom Volksparkstadion entfernt, will der HSV ab morgen den Grundstein für die sportliche Wende legen.
„Wir wollen uns bestmöglich und mit vollem Fokus auf das wichtige Spiel gegen Mainz 05 vorbereiten. Dazu soll auch diese Maßnahme beitragen“, begründete Sportchef Jens Todt die nächtliche Ausquartierung der HSV-Profis in den Norden der Stadt. Die Trainingseinheiten werden aufgrund der frostigen Temperaturen im heimischen Volkspark stattfinden.
An der Elbe gehört ein Kurz-Trainingslager nach jahrelangem Existenzkampf längst zum Standardprogramm. Malente, Rotenburg/Wümme, Barsinghausen: In den zurückliegenden Spielzeiten brachte ein Rettungscamp fernab des Trubels der Großstadt stets den erhofften Umschwung. Doch auch weil die bewährten Quartiere nicht über den benötigten Fußballplatz mit Rasenheizung verfügen, soll die Trendwende diesmal im altbekannten Treudelberg eingeleitet werden. Das Vier-Sterne-Haus diente bereits in den 1990er Jahren vor Heimspielen als Teamquartier der Hamburger, als der jetzige Coach Bernd Hollerbach noch als Spieler aktiv war.
Letztes Zucken oder doch noch ein spätes Aufbäumen des letzten verbliebenen Bundesliga-Dinos? Das ist die Frage vor dem Showdown am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen den Tabellen-16. „Wir wollen und müssen den direkten Konkurrenten um den Relegationsplatz schlagen“, sagte Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Mit einem Dreier gegen Mainz könne sich schließlich „eine Eigendynamik des Erfolges“ einstellen.
Die ist bitternötig. Nach elf Spielen ohne Sieg beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz inzwischen sieben Punkte. In 55 Jahren Liga-Zugehörigkeit war die Ausgangslage für den HSV zehn Spieltage vor dem Saisonende nie schlechter. „Viele haben uns schon abgeschrieben, aber den Fehler würde ich nicht machen“, sagte Trainer Hollerbach: „Wir haben uns noch nicht aufgegeben.“
Neben den sportlichen Sorgen treibt die Verantwortlichen die brisante Situation mit den eigenen Fans um. Nach dem Pyro-Ärger im Nordderby wurde die Partie gegen Mainz nun offiziell zum Risikospiel erklärt. Im Stadion ist eine Fantrennung geplant, zudem wird nur alkoholfreies Bier ausgeschenkt. sid