München – Wie man die Sache richtig anpackt, musste Vladimir Lucic dem Nachwuchs dann doch erst mal zeigen. Nun gut, es hat ja auch kaum einer bei Bayerns Basketballern mehr Erfahrung damit, wie man mit so einem Pokal richtig umgeht. 16 Trophäen hat der Serbe in seiner noch gar nicht so furchtbar langen Karriere schon gestemmt. Mit der aktuellesten, dem gerade gewonnen BBL-Pokal ging der 27-Jährige wie so mancher Teamkollege nun also auf Tour. In einer jener Sportarbeitsgemeinschaften, mit denen der Klub in der Stadt nach Talenten sucht, präsentierte Lucic sich selbst und den Pokal,
Und wenn der erfahrene Forward die Trophäe so in den Händen hält, dann huscht noch heute ein Lächeln über sein Gesicht: „Dieser Titel kann viel auslösen.“ In zwei weiteren Wettbewerben ist er mit seinen Bayern noch vertreten. Am Samstag in Ludwigsburg (20.30 Uhr) könnte man in der Bundesliga einen weiteren gewaltigen Satz in Richtung Hauptrundenmeisterschaft machen. Drei Tage später beginnt mit dem ersten Viertelfinale gegen UNICS Kasan die heiße Phase im Eurocup.
Wie viel dabei noch herausspringen wird, könnte maßgeblich auch von Lucic selbst abhängen. Der serbische Vize-Europameister hatte sich erst kurz vor dem Pokalfinale in Ulm nach seinem Mittelfußbruch wieder fit gemeldet. Als die Bayern das fast schon verlorene Endspiel gegen Alba Berlin noch umbogen, war er so etwas wie der X-Faktor. Mit viel Energie hatte er sein Team zu einer Aufholjagd geführt.
Und was Trainer Sasa Djordjevic besonders gerne gesehen haben dürfte: Lucic versuchte sich ziemlich viel versprechend auf der Position seines verletzten Landsmanns Milan Macvan. Das ist kein Neuland, „ich habe das auch bei Partizan Belgrad gespielt“, sagte er, „ich fühle mich da wohl.“
Das könnte vor allem im Eurocup eine entscheidende Option sein. Anders als in der Bundesliga können die Bayern für die Endphase des kleinen Europapokalwettbewerbs nicht mehr nachrüsten. Lucic selbst sieht es als Herausforderung, erst Recht nach seiner dreieinhalbmonatigen Zwangspause. Der 2,04-Meter-Mann mit der unerschöpflichen Energie brennt auf mögliche weitere Einsätze. Auch die Länderspiele wie das Duell mit Deutschland in der vergangenen Woche hätte er ganz gerne mitgemacht. Trainer Djordjevic hatte ja offen damit geliebäugelt, Lucic zu nominieren, um ihm zusätzliche Praxis zu geben. Doch der Klubführung war das Risiko nach dem strapaziösen Pokalwochenende mit zwei Partien binnen von 24 Stunden letztlich doch zu groß. Der Mann ist zu wichtig um ein allzu großes Risiko einzugehen.
Lucic weiß das auch selbst. Der Serbe hatte dem FC Bayern im Sommer für zwei weitere Jahre das Ja-Wort gegeben, weil er ahnte, dass „hier etwas Großes wachsen kann.“ Der Pokalsieg in Ulm könnte da so etwas wie eine Initialzündung gewesen sein. „Der Druck auf uns ist wahnsinnig groß gewesen, weil jeder wusste, dass wir diesen Wettbewerb eigentlich gewinnen müssen“, sagte er. Dass man ihm Stand gehalten hat, nach Jahren, in denen der FC Bayern große Spiele zuverlässig verloren hat, könnte neue Energien freisetzen. „Weil jetzt jeder weiß, wir können so einem Druck auch standhalten“, sagte er.
So gesehen ist es also gut denkbar, dass Vladimir Lucic und Kollegen den Nachwuchstalenten an den Schulen bald Neues präsentieren können. Aber das ist eine Aufgabe, die nicht nur der Serbe bei den Bayern gerne mitmähme.