Selten ist ein Bankett so minutiös dokumentiert worden wie jenes, das der FC Bayern am 4. November 2010 in Cluj abhielt. Wie immer auf Reisen der Königsklasse gab es guten Rotwein und zu späterer Stunde Zigarren, aber darum ging es gar nicht. Vielmehr stand die Redezeit zwischen Louis van Gaal und Uli Hoeneß im Fokus der (neutralen) Beobachter. Auch mit mehr als sieben Jahren Abstand erinnert man sich gut daran, dass sie, nun ja, überschaubar war. Ein paar Worte, „dann haben wir ein Stößchen gemacht“, sagte van Gaal seinerzeit. Seitdem ist der „Frieden von Cluj“ ein stehender Begriff.
Er hielt fünf Monate – aber das ist geschenkt. Denn schon an jenem denkwürdigen Abend war ja jedem klar, dass diese beiden Alphatiere keine Freunde mehr werden würden. Wenn zwei unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Philosophien und sturen Köpfen aufeinandertreffen, sind sie sich zu ähnlich, als dass eine Zusammenarbeit gut gehen könnte. Aber muss man diesen Konflikt immer wieder aufrollen? Kann es nicht irgendwann gut sein?
Ein Frührentner wie Louis van Gaal, der sich ohne Not an einem Strand in Portugal mit einem deutschen Journalisten verabredet, hat eine klare Intention: Sich selbst ins Gespräch zu bringen, funktioniert am besten, wenn man über andere spricht. Der Konflikt zu Hoeneß ist da ein willkommenes Thema. Und trotzdem ist Nachtreten mit mehr als sieben Jahren Abstand nicht unbedingt die feine Art.
Natürlich war auch Hoeneß nicht immer nett zu van Gaal, zudem ist der Präsident des FC Bayern auch selten um kritische Worte verlegen. Es gibt aber weiß Gott interessantere Themen im Fußballgeschäft als alte, unbeglichene Rechnungen. Was van Gaal mit seinen Aussagen – „wenn ich Bayern-Führung sage, meine ich: Uli Hoeneß“, „wenn ich alles erzähle, ist das nicht gut“ – immerhin geschafft hat: Das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass es ein Trainer, der nicht Jupp Henyckes heißt, nicht leicht haben wird im Machtgefüge des FC Bayern.
Typen wie van Gaal stehen nicht auf der Liste, die man – Stand heute – aufgrund des nahenden Karriereendes von Heynckes so langsam prüfen muss. Aber auch solche wie etwa Thomas Tuchel, Julian Nagelsmann oder womöglich Joachim Löw haben ihren eigenen Kopf und lassen sich ungerne verbiegen. Blöd außerdem: Mit dem Asketen Tuchel könnte man nicht mal „ein Stößchen“ machen.