Putin lobt russische Athleten, Freitag kritisiert das IOC

von Redaktion

Russlands Präsident Wladimir Putin hat die russischen Sportler für ihr Auftreten bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea unter harten IOC-Auflagen gelobt. Man könne den Russen vieles wegnehmen, aber nicht den Charakter, sagte er gestern bei einem Empfang in Moskau. Er würdigte die Eishockeymannschaft, die bei der Siegerehrung trotz Verbots die russische Hymne gesungen habe.

Russland habe aus dem Streit seine Lehren gezogen – sowohl für die Kooperation mit den internationalen Sportverbänden als auch für die Organisation des Sports im Land, sagte Putin. Der internationale Kampf gegen Doping müsse gerechter und transparenter werden. Trotz vieler Beweise sieht sich Moskau beim Doping weiter zu Unrecht an den Pranger gestellt und spricht von einer westlichen Verschwörung.

Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, hat die Begnadigung des russischen Olympia-Komitees ROC nur drei Tage nach Ende der Winterspiele scharf kritisiert. „Wir haben Dopingfälle innerhalb der russischen Mannschaft gehabt. Die werden als Einzelfälle abgetan“, sagte die SPD-Politikerin und sprach von einem „Desaster“ und einem „Schlag ins Gesicht aller sauberen Athletinnen und Athleten“.

Der Hauptgrund für Freitags Wut liegt jedoch weiter zurück. „Entscheidend ist doch, dass sich Russland niemals dazu bekannt hat, was vor Sotschi und in Sotschi passiert ist.“ Das IOC hatte Russlands NOK im Dezember 2017 wegen des Staatsdopingskandals rund um die Spiele vor vier Jahren in Sotschi suspendiert. Geplant war, Russland zur Schlussfeier in Pyeongchang wieder in die olympische Familie einzugliedern, zwei Dopingfälle im Team der unter neutraler Flagge startenden „Olympischen Athleten aus Russland“ verhinderten das Vorhaben. Im Hinblick auf die Zukunft von Olympia und des IOC zeichnete Freitag angesichts der jüngsten Entwicklungen ein düsteres Bild: „So wird das Internationale Olympische Komitee in demokratischen Staaten keine Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, und darauf werden sie angewiesen sein, wenn es um die Vergabe von Olympischen Spielen geht.“

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