Ältere Fans werden sich noch an die großen Zeiten des Fußballers Rafael van der Vaart, 35, erinnern. Als der Niederländer 2005 von Ajax Amsterdam zum Hamburger SV wechselte, war er jung, dynamisch und auf dem Weg zum Star. Sein Weg führte ihn zu Real Madrid und nach Tottenham. Van der Vaart wurde „VdV“ genannt, und wenn das auch keine so schillernde Marke war wie „CR7“, gehörte er doch zu den bekannteren Profis des Kontinents.
Aber das ist schon ein Weilchen her. Bereits 2012, als van der Vaart zurückkehrte, hatte er seine beste Zeit bereits hinter sich. Zweifel an seiner Fitness begleiteten ihn ebenso durch die drei HSV-Jahre wie ein zunehmendes Gefühl der Genervtheit, wenn er wieder mal privateste Themen in den bunten Blättern ausbreitete. Sportlich lieferte er nur noch selten Stoff für wohlwollende Geschichten.
Längst ist es ruhig geworden um ihn. Der Spieler ist ebenso in die Jahre gekommen wie sein alter Verein. Bei seinem aktuellen Klub, dem dänischen Spitzenreiter FC Midtjylland, gab der einstige Weltstar erst vor zwei Wochen sein Saisondebüt in der ersten Mannschaft. VdV wurde eingewechselt und spielte exakt eine Minute. Ansonsten griff nur die Reserve auf seine Dienste zurück. Aber auch bloß viermal.
Nun hat sich van der Vaart bei seinem alten Klub für eine abermalige Rückkehr in Position gebracht. Wie so oft wählte er den Weg über die Medien. Er wolle gerne helfen, „ob als Spieler oder in einer anderen Funktion“. Dabei vergaß er nicht zu erwähnen, dass er dem HSV „eine große Karriere“ verdanke.
Wenn man so will, spiegelt sich in dieser kleinen, im Kern banalen Episode das ganze Elend. Planlosigkeit, Eitelkeit und Selbstüberschätzung ziehen sich ja durch die gesamte jüngere Vereinsgeschichte. Mit dem Ergebnis, dass der einst stolze Klub seit Jahren einen Niedergang erlebt, der auf neutrale Beobachter eine makabre Faszination ausübt.
Es gäbe gute Gründe, den Hamburgern den Klassenerhalt zu wünschen, von den vielen Fans über das schöne Stadion bis hin zum armen Uwe Seeler, der schon lange keine Freude mehr hat an seinem Verein. Noch viel schlüssiger aber ist es, all dies nicht zu tun. Mit sehr viel Geld ist nur sehr wenig Gutes entstanden. Zu wenig, um die Attitüde zu rechtfertigen, dass man eigentlich noch zu den Großen zählt. Vor allem aber gibt es ein überwältigendes Gefühl, dass der HSV einfach reif für die zweite Liga ist.
Für Rafael van der Vaart, dessen Ruf ähnlich gelitten hat, ist das keine gute Nachricht. Seine Hoffnung, in der Sport- und Medienstadt Hamburg wieder Fuß zu fassen, wird sich kaum erfüllen. So schlecht, dass er helfen könnte, geht es nicht mal dem HSV.