Man könnte es jetzt allein aufs Wetter schieben. Wie überall in Europa war es am Donnerstagabend auch in Nordlondon lausig kalt, und der ungewohnte Schneefall machte auch nicht unbedingt den Stadionbesuch schmackhaft. Über 60 000 Zuschauer passen ins Emirates Stadium, die Heimat des FC Arsenal. Gekommen war knapp die Hälfte.
Für ein Spiel gegen den souveränen Tabellenführer Manchester City ist so eine Kulisse noch mieser als das Wetter. Immerhin ist einem Teil der Basis auf diese Weise ein Schauspiel entgangen, das selbst für Arsenal-Verhältnisse ernüchternd war. Und die Gunners sind Kummer wahrlich gewohnt.
Viele Jahre lang wurde Arsenal bewundert für sein feinfüßiges, technisch anspruchsvolles, so gar nicht britisches Spiel. Die Handschrift des Trainer-Großmeisters Arsene Wenger unterschied sich radikal von vielen Konkurrenten, und das Gleiche galt für seine Personalpolitik. Kauforgien, wie sie sich die Manchester-Klubs oder der FC Chelsea gönnten, blieben weitgehend aus. Weil er mit dieser Philosophie trotzdem verlässlich den Verein an die Geldtöpfe der Champions League führte, war er der Traum eines jeden Investors.
Dummerweise entwickelte sich Wenger zum Alptraum der Fans, je mehr der Erfolg ausblieb. Der Ruf, er möge endlich „das verdammte Geld ausgeben“, wurde zum Grundrauschen der letzten Jahre. Und ausgerechnet jetzt, da Arsenal tatsächlich mal machtvoll investiert hat (Aubameyang, Mkhitaryan), lotet der Klub ganz neue Tiefen aus. Daheim drei Tore in der ersten Halbzeit zu kassieren wie gegen City, ist in der Premier League-Geschichte des Vereins ein Novum.
In der Bundesliga, wo ein Aubameyang sich nur zu gerne locken ließ, mag Arsenals Strahlkraft noch intakt sein, doch auf dem turbokapitalistischen englischen Markt wird der stolze Klub mehr und mehr abgehängt. Vieles wird bald auf dem Prüfstand stehen: Die Spielweise, die Personalpolitik – vor allem aber der Trainer, der in guten Zeiten für den Erfolg stand und heute für dessen Vergänglichkeit. Es wäre nach 22 Jahren nicht weniger als das Ende einer Ära. Aber für Sentimentalitäten ist im englischen Investorenfußball schon lange kein Platz mehr.