Herrsching – Die Idee, die nun die Zukunft des TSV Herrsching bestimmen wird, ist vor 14 Tagen entstanden. Der Trainer Max Hauser, der Geschäftsführer Fritz Frömming und André Bugl, der Marketingmanager grübelten mal wieder über die Frage, wie sie ihren Volleyballverein dauerhaft aufrüsten können. Sie entwarfen schließlich eine Aktion, die sich „100 für die erste Liga“ nennt und so funktioniert: 100 Sponsoren sollen den TSV mit je 1000 Euro unterstützen, um ihm in der Bundesliga Konkurrenzfähigkeit zu garantieren. Bis zum 24. März läuft die Suche. „Wir wollen keine Almosen, sondern Partnerschaften entwickeln“, sagt Bugl, der Marketingmanager. Das Brisante an der Idee aber ist: Geht sie nicht auf, wird sich Herrsching wohl aus der höchsten Spielklasse zurückziehen.
„Mit den Mitteln, die wir heute haben, können wir die Zukunft des Projekts 1. Bundesliga nicht weitergestalten“, sagt Bugl. Man wolle sich nicht mit „verliebter Blindheit“ in die nächste Saison stürzen. Wie das ausgehen kann, haben zuletzt die Fälle in Coburg und Dresden gezeigt. Die beiden früheren Erstligisten hatten Insolvenz anmelden müssen, Dresden war im Dezember 2014 gar gezwungen, den Spielbetrieb inmitten der Runde einzustellen.
Bugl, Frömming und Hauser haben häufig betont, dass es ihnen nicht darum geht, die Bundesliga um jeden Preis zu halten. „Wir wollen nicht jede Woche auf die Fresse kriegen“, sagt Bugl. Einen Startplatz in der Bundesliga verknüpfen sie mit gewissen finanziellen Voraussetzungen, die sie nun in einer öffentlichen Mitteilung vorgerechnet haben: Der Gesamtetat – laut früheren Angaben des TSV rund 520 000 Euro – müsste um mindestens 30 Prozent erhöht und die Sponsoringeinnahmen auf 500 000 Euro aufgestockt werden. Zu diesem Ziel fehlen knapp 150 000 Euro Mehreinnahmen. Etwa 50 000 Euro sollen die aktuellen Geldgeber zusätzlich investieren, für die verbliebenen 100 000 Euro hat der Verein die „Aktion 100“ eingerichtet. „Es wird schwierig, aber es ist nicht utopisch“, sagt Bugl. Man habe die Kampagne so konzipiert, dass „selbst der Metzger“ sich beteiligen könne.
Verfehlt der Klub die selbst gesteckte Vorgabe aber, wird er sich wohl in die 2. Liga zurückziehen. Die Entscheidung soll Ende März fallen. Ein Komplett-Rückzug aus dem Spitzensport wäre nur dann denkbar, wenn die bisherigen Sponsoren ihre Unterstützung in der neuen Liga verweigern.
Dass der TSV Herrsching die Bundesliga trotz kleinen Budgets bereichert, hat er auch in dieser Saison schon unter Beweis gestellt. Im Pokal hat er Meister Berlin ausgeschaltet, erst im Halbfinale scheiterte er selbst. In der Liga wird er auch in diesem Jahr in den Playoffs mitmischen.
Die nun aufgerufenen 150 000 Euro benötigt der TSV aber nicht nur, um die sportliche Qualität zu gewährleisten, sondern auch um sich „guten Gewissens“ (Bugl) dem Problem anzunehmen, das den Klub bereits seit dem Aufstieg in die Bundesliga vor fast vier Jahren begleitet: die Suche nach der passenden Halle.
Die Nikolaushalle in Herrsching, wo der TSV seine Heimspiele austrägt, genügt den Anforderungen der Volleyball-Bundesliga nicht. Die Zuschauerkapazität ist zu klein, die Decke zu niedrig. Die Liga hat Herrsching eine Ausnehmegenehmigung ausgestellt, die im Sommer 2020 ausläuft. Die wenigen geeigneten Hallen in München und Umgebung sind aber nicht verfügbar (Audi Dome, Unterhaching) oder zu teuer (Olympiahalle, Ballhausforum in Unterschleißheim).
Wie die Hallenfrage sich auch auf die Geldeinnahme auswirkt, offenbarte sich im vergangenen Sommer. Weil der Herrschinger Gemeinderat damals den Bau einer Eventarena ablehnte (mit dem gleichen Konzept verhandelt der Verein inzwischen mit anderen Gemeinden), entgingen dem TSV 40 000 Euro Sponsorengelder, wie Geschäftsführer Frömming der „SZ“ verraten hat. Eine große Finanzlücke, die Bugl, Frömming und Hauser mit ihren Privatvermögen stopften. Mal wieder. Einen kleinen sechsstelligen Betrag haben die drei, die Anteile an der Spielbetriebs-Gesellschaft besitzen, bereits in das Projekt investiert. „Aber wir sind halt keine Multi-Millionäre“, sagt Frömming, „bei uns sind die Möglichkeiten hier jetzt dann irgendwann erschöpft.“
Max Hauser, der trickreiche Trainer, drückt es so aus: „Die Region hat jetzt die Chance zu zeigen, ob sie so etwas wie Volleyball-Bundesliga hier haben möchte – oder nicht.“