Glückliches Ende in Sicht

von Redaktion

Rebensburg verpasst vorzeitigen Gewinn des Riesenslalom-Weltcups, findet das aber „total egal“ – Platz zwei macht Mut

von elisabeth schlammerl

Ofterschwang – Für eine kleine Geste des Triumphs hat die Kraft noch gereicht. Viktoria Rebensburg reckte die Faust in die Höhe, dann lehnte sie die Ski an die Werbebande und nahm erst einmal im Frühjahrsschnee von Ofterschwang Platz. So genau wusste sie noch nicht, was diese Führung Wert sein würde. Das Riesenslalom-Rennen war ja noch nicht entschieden, ebenso wenig der Kampf um die kleine Kristallkugel für die Saison-Beste in dieser Disziplin. Nur mit Platz eins wäre die 28 Jahre alte Kreutherin nicht mehr von der Spitze zu verdrängen, aber da kam ja noch Ragnhild Mowinckel, die Schnellste des ersten Durchgangs. Die Norwegerin war an diesem Freitag im Allgäu nicht zu schlagen, gewann mit 0,66 Sekunden Vorsprung vor der Deutschen und zerstörte damit Rebensburgs kleine Hoffnung, schon vor der Reise zum Saison-Finale in der kommenden Woche in Are als Weltcupsiegerin festzustehen.

Der erste Impuls hätte leicht Enttäuschung sein können, aber Rebensburg wirkte fast befreit. „Total egal“, sagte sie kurz danach. „Es war erst einmal wichtig, ein gutes Rennen zu fahren.“ Denn das war nicht selbstverständlich nach den letzten Wochen, nach der Enttäuschung bei den Olympischen Spielen. Als große Favoritin hatte sie im Riesenslalom die anvisierte Medaille knapp verpasst. Niemand wusste, wie sich das auf den Endspurt der Saison auswirken würde. Vielleicht nicht einmal sie selbst. Sie hatte zwar vor der Reise ins Allgäu betont, Olympia abgehakt zu haben, aber jetzt hat sie zugegeben, dass sie die Rennen in Südkorea nach der Rückkehr noch beschäftigt haben. „Wenn es vorbei ist, kommt alles noch einmal wie in einem Film als kurzer Rückblick hoch“, sagte sie. „Natürlich hat es wehgetan, dass nichts rausgekommen ist.“

Doch Rebensburg hat schon öfters gezeigt, dass sie sich mit Vergangenem nicht länger aufhält als nötig. Sie hat schnell wieder den Blick auf das nächste Ziel gelegt. Statt am vergangenen Wochenende in Crans-Montana zu starten und im Super-G ein paar Punkte zu holen, hat sie lieber trainiert und sich auf ihr persönliches Finale fokussiert. Die Weltcup-Kugel im Riesenslalom, sagte sie, „würde mir schon sehr viel bedeuten.“ Aber nicht als Trostpreis für die entgangene Olympia-Medaille, denn rein sportlich sei die Kugel „ja die ehrlichste Trophäe“, findet sie, weil er der Lohn ist für konstant gute Leistung in einem Winter.

Sie hat einen komfortablen Vorsprung von 92 Punkten vor der Französin Tessa Worley, die einzige, die ihr den Sieg noch streitig machen könnten. Allerdings müsste den finalen Riesenslalom gewinnen, und die Deutsche ausscheiden. Rebensburg reicht in Schweden ein 15. Platz, aber sie denkt nicht daran, zu taktieren und zu rechnen. „Ich habe vor, in Are zu gewinnen. Darauf wird alles ausgerichtet, und dann kommt der Rest von selbst.“

Die Olympiasiegerin in dieser Disziplin, Mikaela Shiffrin aus den USA, könnte sich hingegen die Reise in den Norden fast sparen. Dank des dritten Platzes steht sie seit Freitag als Gesamtweltcupsiegerin fest. Den Gewinn der Slalom-Kugel könnte sie sich an diesem Samstag ebenfalls vorzeitig sichern. Aber natürlich denkt die 22-Jährige nicht daran, aufs Finale zu verzichten. „Das größte Ziel ist erreicht, jetzt kann ich die letzten Rennen genießen“, sagte Shiffrin.

Weder um eine Trophäe noch um einen Platz auf dem Siegerpodest ging es für Veronique Hronek vom SV Unterwössen am Freitag in Ofterschwang. Die 26-Jährige hatte vor gut drei Jahren ihr letztes Weltcuprennen bestritten, und nach zwei Kreuzbandrissen innerhalb von zehn Monaten bereits an ein Karriereende gedacht. Der Weg zurück in die Weltelite ist noch weit, aber der 24. Platz ein erster großer Schritt. „Ich bin froh, dass es sich gelohnt hat und ich das hier erleben darf“, sagte Hronek sichtlich bewegt.

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