Moritz Fürste hat in Deutschland immer für den Uhlenhorster HC in Hamburg gespielt, den Klub, in dem er aufgewachsen ist. Der Kalender des Hockeys hat es ihm jedoch erlaubt, im Ausland Geld dazuzuverdienen.
Indien etablierte eine Profiliga, die für Europäer einen immensen Vorteil hat: Ihr Spielbetrieb geht über lediglich sechs Wochen, von Anfang Januar bis Mitte Februar. Und: Man kann in Indien richtig gutes Geld verdienen.
Wer in der Hockey India League (HIL) spielen wollte, musste sich einige Monate vorher für eine Auktion anmelden. Die HIL legte aus dem Pool an Interessenten die fünf Spieler fest, die Kapitäne der fünf Mannschaften sein sollten. Es war eine „blind auction“, jeder Verein musste für alle fünf Spieler gleichzeitig ein Angebot abgeben – ohne zu wissen, was die Mitbewerber bieten. Weitere Regel: Das Gehalt des Kapitäns müsste 15 Prozent über dem nächsthöheren Spielersalär liegen.
Die Ranchi Rhinos bekamen für die Saison 2013 den Welthockeyspieler Moritz Fürste – das Gehalt für die eineinhalb Monate: 84 000 US-Dollar. Fürste: „So viel Geld hatte ich mit Hockey in den zehn Jahren zuvor nicht einmal zusammengerechnet verdient, und nun sollte ich das innerhalb von sechs Wochen bekommen.“ Weil die Rhinos dann auch noch den Briten Ashley Jackson ersteigerten und ihm 74 000 Dollar gaben, mussten sie das Gehalt für Fürste wegen der 15 Prozent-Regel noch um ein paar Tausender anheben.
Fürste erlebte eine gute Saison in der Millionenstadt Ranchi. Die Spieler wurden in einem ansprechenden Hotel untergebracht, die Mannschaft wuchs zusammen mit der Zeit. Zunächst war Fürste von den jungen indischen Spielern mit – wie er fand – zu großer Ehrfurcht wahrgenommen wurden: „Als sei ich der Kaiser von China und sie ein paar arme Reisbauern.“ In der Stadt hingen Plakate mit seinem Gesicht, die Fans himmelten ihn an, die Spiele waren regelmäßig ausverkauft, Kapitän Fürste führte Ranchi zur Meisterschaft.
Im zweiten Jahr stockten die Geldflüsse, die Franchise wurde am Saisonende verkauft. Seinen Vertrag, der noch ein Jahr gegolten hätte, löste Fürste 2015 auf – auch weil er im Februar in Leipzig die Hallen-WM spielen wollte.
Doch für 2016 und 2017 kehrte er im Winter nach Indien zurück. Wieder musste er in die Auktion. Sein Startpreis waren 25 000 Dollar, das steigerte sich auf 105 00 Dollar von den Kalinga Lancers. 2016 wurden die Lancers Vizemeister, 2017 holten sie den Titel, Fürste wurde zudem Torschützenkönig. Nebenbei hatte er in seinen vier Spielzeiten in Indien für eine Professionalisierung der Abläufe, etwa durch die feste Einstellung von Physiotherapeuten, gesorgt.
Eine Saison spielte er auch für den Club Campo de Madrid. gük