München – Es waren ungewohnte Klänge, die die abgekämpften Löwen-Profis in die Kabine begleiteten. Ein Fan mit Mundharmonika hatte sich Richtung Spielertunnel geschlichen, gab dort eine schöne, leicht melancholisch klingende Weise zum Besten. Zur Spielwiese des TSV 1860 passte die Melodie recht gut, nicht aber zum Ergebnis – und den Auswirkungen auf die Tabelle. Zweiter Heimsieg binnen drei Tagen, den Vorsprung auf den FC Bayern II vorübergehend auf neun Punkte ausgebaut. Allerdings: Beim 3:0 (1:0)-Erfolg gegen Seligenporten hatten erst zwei späte Treffer für klare Verhältnisse gesorgt. „Das Ergebnis täuscht heute ein bisschen“, gab Phillipp Steinhart zu, der mit einem direkt verwandelten Freistoß spät den Endstand besorgt hatte (86.). Markus Ziereis, der zweifache Torschütze, sagte: „Die Einstellung stimmt, das sieht man. Aber ansonsten war es heute nicht so gut von uns.“
Auf zwei Positionen hatte Daniel Bierofka seine Glücksritter vom Dienstag (2:1 in der Nachspielzeit) geändert: Kapitän Felix Weber rückte nach seiner Gelb-Rot-Sperre zurück in die Innenverteidigung; Nico Andermatt, Siegtor-Assistent gegen Buchbach, durfte sich im zentralen Mittelfeld beweisen. Taktisches Opfer war Linksverteidiger Christian Köppel, der erst in der letzten halben Stunde mitmachen durfte. Noch härter erwischte es aber Simon Seferings. Der Achter, der 14 Monate verletzt gefehlt hatte, schaffte nicht mal den Sprung in den 18er-Kader.
Die Hoffnung war groß, dass sich der Last-Minute-Dienstag mit den späten Wendungen und dem ausgebauten Polster auf den Stadtrivalen positiv auf das blaue Nervenkostüm auswirken würde. Die Löwen konnten mit einem Sieg weiteren Boden in der Tabelle gutmachen, und siehe da: Zum dritten Mal im neuen Jahr gingen die Bierofka-Mannen früh in Führung, legten erneut ansehnlich los, versäumten es aber wieder, schnell das 2:0 nachzulegen.
Technisch, taktisch und körperlich wirkten die Gäste aus der Oberpfalz keineswegs wie ein Kellerkind, doch die Löwen müssen sich generell ankreiden lassen, kleine Gegner auch mit Führung im Rücken nicht deutlicher dominieren zu können. Zu selten gelingt es den Blauen, sich bis in den Strafraum durchzukombinieren, zu durchsichtig erscheint mancher Spielzug.
Auch chancentechnisch mussten sich die Oberpfälzer kaum verstecken: Marco Hiller rettete gegen den sträflich freistehenden Kobrowski (24.). Katidis verfehlte das Kreuzeck nur knapp (56.). Mit ein bisschen Pech hätte es wieder so laufen können wie gegen Nürnberg und Buchbach, als Gegentore aus dem Nichts erhebliche Selbstzweifel im Lager der Blauen ausgelöst hatten. „Wir sind das gesamte Spiel über nicht griffig gewesen“, kritisierte Vizekapitän Jan Mauersberger: „Wir haben zu viele Kontakte gebraucht, um den Ball weiterzuspielen, waren vielleicht im Kopf nicht so frisch.“
Aber: Erneut konnten sich die Löwen auf lichte Momente ihrer Extrakönner verlassen. Ziereis sorgte spät für die Vorentscheidung, als er ein Zuspiel von Sturmpartner Sascha Mölders verwertete (77.). Steinhart machte kurz vor Schluss den Deckel drauf. Bierofka jedoch, der ehrgeizige Coach, ließ sich nicht blenden vom späten Energieschub. „Mit der ersten Halbzeit war ich gar nicht zufrieden, da waren mir die Abstände im Defensivverhalten zu groß“, schimpfte er: „In der zweiten Halbzeit haben wir das Anlaufen verändert, hatten dadurch mehr Zugriff. Irgendwie ist uns das Buchbach-Spiel in den Knochen gesteckt. Wir waren heute nicht so spritzig, nicht so aggressiv, nicht so laufstark.“
Das war eine treffende, gewohnt schonungslose Analyse. Unzufrieden ist der Coach dennoch nicht ins Wochenende gegangen, denn der Blick auf die Tabelle, den die Löwen ja offiziell meiden, der tat dann schon gut, wie Bierofka zugab. „Wichtig sind die drei Punkte. Wir haben vorgelegt, die anderen unter Druck gesetzt. Jetzt können wir schauen, was die so machen. Und am Mittwoch kommt dann Unterföhring zu uns.“ Der Tabellenletzte. Da wollen die Löwen auch spielerisch mal wieder glänzen.