Der HSV und die München-Reise

Schlimmer geht immer

von Redaktion

Da wären wir also wieder. Am Tag der Partie, die manch einer wirklich bis zuletzt noch als „Nord-Süd-Gipfel“ bezeichnet hat. Irgendwie war dieser schon lange nicht mehr passende Beiname in den vergangenen Tagen nirgendwo mehr zu lesen. Dafür hörte man die Frage „wird es diesmal zweistellig?“ umso öfter (wenn auch hinter vorgehaltener Hand).

Seit Freitagabend ist der Tross des Hamburger SV in der Stadt, und man darf sicher sein, dass das unwohle Gefühl, das die Spieler des Tabellenvorletzten dieser Tage sowieso umgibt, spätestens seit der Ankunft in München noch verstärkt wurde. An der Bilanz von 3:44 Toren in den letzten sieben Partien beim FC Bayern kann man nichts beschönigen. In der Allianz Arena sind schon viele Teams unter die Räder gekommen, aber keines so regelmäßig und vehement wie der Prügelknabe aus dem Norden.

Was dabei besonders bitter ist: Wann immer man dachte, schlimmer geht nimmer, kam es noch dicker. Zwei Jahre nach dem 2:9 hagelte es das erste 0:8, zwei Jahre danach ein weiteres. Ob also Thorsten Fink, Josef Zinnbauer oder Markus Gisdol vor die Kameras traten und das Debakel zu erklären versuchten: Lehren daraus wurden nie gezogen.

Die Negativ-Serie der München-Besuche ist kein Zufall, sondern ein Brennglas über der fatalen Entwicklung, die dieser einst „fantastische Klub“ (Karl-Heinz Rummenigge) genommen hat. Selten saß ein Trainer zwei Mal auf der Bank der Allianz Arena, selten vertrug sich die Führungsetage, selten reiste das Team mit Selbstvertrauen an. Zu Gast war – und ist – stets ein Gegner, der auf allen Ebenen so sehr mit sich selbst beschäftigt ist, dass er die „Klatsche in Minga“ einfach erträgt. Sie gehört halt dazu zum Leben bei und mit dem HSV.

Was bisher auch dazu gehörte: Dass sich der HSV am Ende irgendwie gerettet hat. Doch daran können selbst die kühnsten Optimisten nicht mehr. glauben. Das einzige, das helfen würde, wäre ein Sieg in München. Aber es ist sicher kein Zufall, dass Jupp Heynckes schon am Freitag sagte: „Der Dino wird fehlen.“ Das Gastspiel ist eine Art Abschiedspartie. Und das Ende einer Serie. In diesem Fall vielleicht: Gar nicht schlecht. Danach stehen alle Bilanzen auf Null.

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