„Post von der Frau Bundeskanzlerin“

von Redaktion

Patrick Hager über den Eishockey-Hype nach Olympia, die Playoffs und das Glück, weiter in Ruhe Zug fahren zu können

München – Zurück an die Arbeit. Am Mittwoch beginnt für die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) mit ihren Silber-Helden die Hauptsaison: Playoffs. Doppelrundensieger EHC München trifft auf Bremerhaven, das als Neunter über die Pre-Playoffs gegen Iserlohn ins Best-of-Seven-Viertelfinale vorgestoßen ist. Über die bewegten Wochen seit Olympia und das, was noch kommen kann, sprachen wir mit Patrick Hager, einem der Silbermedaillengewinner vom EHC München.

-Patrick Hager, Sie fahren ja manchmal mit dem Zug zur Arbeit.

Fast immer.

-Im Meridian, von Rosenheim nach München und zurück.

Ja, erst heute wieder.

-Und auch als Silberheld von Pyeongchang unbehelligt?

Daheim in Rosenheim, einer kleinen Stadt, ist es schon passiert, dass ich auf Olympia angesprochen werde, aber im Zug noch nicht. Da hat jeder seinen eigenen Fokus, und wohl keiner glaubt, dass er da einen Eishockeyspieler trifft. Daher ist es in der Bahn relativ entspannt.

-Aber erleben Sie das nicht, dass Sie taxiert werden und man diese Woher-kenne-ich-den-Überlegung nahezu spürt?

Dank unserem Helm, den wir auf dem Eis tragen, erkennt man uns ohne ihn nicht. Das ist ganz gut so, und ich hoffe, es bleibt so.

-Was ist alles passiert seit der Rückkehr aus Südkorea?

Ehrungen, klar. Der Empfang in Frankfurt und München war super, dann am Samstag die DEL-Gala in Straubing. Zwischendurch daheim sind etliche Schreiben gekommen, unter anderem von der Frau Bundeskanzlerin, da spürt man dann schon, dass das größere Auswirkungen hat, was wir erreicht haben. Einladungen von Rosenheim und Flintsbach, wo ich wohne, werden noch folgen. Zeitlich hat es noch nicht geklappt, dass ich sie wahrnehme.

-Eine Medaillenprämie muss es auch noch geben.

Wir freuen uns, dass Prämien dazukommen, die der DOSB festgelegt hat. Aber hingefahren sind wir zu Olympia, weil es eine einmalige Chance war.

-Silber feiern ist schön – aber es geht ja noch weiter. Mit den Playoffs, der Weltmeisterschaft in Dänemark. Sind Sie wieder im Ernsthaftigkeits-Modus?

Spätestens seit wir ins Mannschaftstraining eingestiegen sind, ist der Fokus wieder voll da. Wichtig und gut für uns war, dass wir uns ein paar Tage freinehmen und von dem Trip erholen konnten – schon damit man im Kopf wieder frei wird von der Olympia-Turbulenz. Und jetzt ist die Vorfreude riesig, jetzt kommt das Highlight der Saison. Du spielst 52 Spiele, wir haben die beste Ausgangsposition und jetzt schon eine Woche zugeschaut, wie die ersten Mannschaften in die Playoffs eingestiegen sind. Mit unserem ersten Playoff-Spieltag werden wir voll da sein.

-Haben Sie ein Auge aufs große Bild des Eishockeys: Wie es sich wohl entwickeln, welche Langzeitwirkung die Medaille entfalten wird?

Man bemerkt die Aufmerksamkeit, die uns zuteil wird. Aber wir sind Sportler, wir können nur auf dem Eis anbieten, was wir haben – mit München, mit der Nationalmannschaft; für alles andere haben wir Leute, die ihre Schlüsse ziehen müssen, wie lange man den Hype mitnehmen kann.

-Besteht nicht die Gefahr, dass für das Nationalteam die Erwartungshaltung steigt?

Ach, nein, Erwartungen sind im Profisport doch ganz normal. Ich denke, dass die Leute das realistisch einschätzen und keiner von uns bei der WM eine Medaille fordern wird. Wir wissen, dass wir Qualität im Kader haben werden – aber auch, dass wir das Quäntchen Glück brauchen, dass drüben in der NHL die richtigen Mannschaften in den Playoffs rausfliegen und wir ein paar Jungs aus der NHL dazukriegen. Vor allem aber wollen wir – wie bei den letzten Turnieren auch – erfrischendes positives Eishockey spielen. Das ist den Zuschauern am besten zu verkaufen.

-Sie haben im letzten Hauptrundenspiel mitgemacht, da ging es gegen Iserlohn, nun im Viertelfinale ist Bremerhaven der Gegner, auch da treffen Sie auf keinen der Olympia-Mitspieler. Die finden sich in Nürnberg, Mannheim, Köln, Berlin, möglichen späteren Gegnern. Werden Sie denen aufgrund der gemeinsamen Olympia-Geschichte anders begegnen?

Es wird was Besonderes sein. Dennoch waren wir schon die letzten zweieinhalb Jahre Jahre eine fast identische Gruppe, und deshalb fühlt es sich eher so an, als würde man zu einer zweiten Vereinsmannschaft kommen und nicht zu einer zusammengewürfelten Auswahl. Das war auch unsere Stärke beim Turnier. Und klar: Erfolg schweißt noch mehr zusammen, darüber werden wir in 25 oder 30 Jahren noch reden, wenn wir uns wieder treffen.

-Was soll man von den Fischtown Pinguins aus Bremerhaven halten?

Unangenehme Mannschaft. Zweites Jahr in der Liga, zweites Jahr in den Playoffs, das kommt nicht von ungefähr, dem muss man Respekt zollen. Wir tun gut daran, sie nicht zu unterschätzen und ihnen von Anfang an unser Spiel aufzuzwingen – damit sie gar keine Hoffnung kriegen, was reißen zu können.

-Ist nur die Meisterschaft für euch ein Erfolg?

Im Eishockey ist es so. Du positionierst dich über 52 Spiele, aber der große Erfolg kommt erst danach.

Das Interview führte Günter Klein

Artikel 1 von 11