München – „El Grande“, „der Große“, ist ein netter Kosename für Jupp Heynckes. Und Arturo Vidal spricht ihn ebenso selbstverständlich aus wie der Bayern-Trainer umgekehrt die Bezeichnung „mein Arturo“. Die beiden Herren könnten unterschiedlicher gar nicht sein, aber sie schätzen und mögen sich. Dass Arturo Vidal daher sagt „er hätte auf jeden Fall das Zeug dazu, noch viele Jahre unser Trainer zu sein“, ist nicht unbedingt eine Überraschung.
Nun ist der Chilene – nicht nur wegen seiner innigen Beziehung zum Coach – in einer besonderen Lage. Zwar läuft sein Vertrag ein Jahr länger als jener von Heynckes, trotzdem ist auch in seinem Fall ein Abschied im Sommer nicht ausgeschlossen, bzw. sogar: Wahrscheinlich. Wie sich die Situation entwickelt, wenn Leon Goretzka in München ist, müsse man zwar „erst mal abwarten“, sagte der 30-Jährige dem „kicker“. Er gab aber mit Blick auf den Noch-Schalker auch zu: „Natürlich bringt er eine gewisse Klasse mit, sonst würde er nicht zu Bayern kommen.“ Wie es mit ihm selbst weitergehe, hänge „von den Leuten hier im Klub ab“.
Die Leute im Klub machen sich schon länger Gedanken über Themen, die weit über das Saisonende hinaus gehen. Vidal, den man im Sommer zu einem angemessenen Preis verkaufen könnte, spielt in den Überlegungen ebenso eine Rolle wie Heynckes, die Präferenzen aber sind anders gelagert. Während man beim Mittelfeldspieler gerne über einen Abschied verhandelt, sollte Heynckes bekanntlich am besten bleiben. Dass dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen werde, stand vergangene Woche offiziell erst fest, dann wieder nicht, dann wieder doch, dann wieder nicht. Und nun lässt Heynckes wissen: „Ich habe mir vorgenommen, gar nichts mehr dazu zu sagen. Es ist alles gesagt.“ Punkt.
Dass Fragen trotzdem aufkommen, lässt sich nicht vermeiden, denn – so sagt auch Uli Hoeneß – „am 1. Juli brauchen wir einen Trainer, das ist ja klar“. Ihn selbst nerve das hoch und runter diskutierte Thema nicht, dennoch bringe es wenig, „ständig nachzufragen“. Anders als in den vergangenen Wochen nämlich, habe der Präsident sich vorgenommen, „mich zu diesem Thema gar nicht mehr zu äußern“. Intern sei das so verabredet worden, daran werde man sich halten. Und überhaupt: „Wir haben dieses Thema noch nie in die Öffentlichkeit getragen.“
Ansichtssache. Auf Nachfragen nämlich hat Hoeneß bis zuletzt dankbar reagiert. Mit Lobhudeleien und einer eigens ausgegebenen Charme-Offensive. Nun hält man sich bedeckt, so kurz vor dem „Grande Finale“. hlr