Biathlon-Trainer Hönig und Reiter

Vielsagendes Schweigen

von Redaktion

Der Deutsche Ski-Verband (DSV) ist dafür bekannt, dass er seine Personalangelegenheiten mit großer Behutsamkeit behandelt. Ganz besonders gilt das für die Premium-Sparte Biathlon. Dort wird – im Allgemeinen – eisern auf Kontinuität gesetzt. Der frühere Frauen-Chefcoach Uwe Müßiggang waltete gar 23 Jahre seines Amtes. Und sollte tatsächlich ein Wechsel unvermeidlich sein, wie bei Ricco Groß nach dem Olympia-Debakel 2014 in Sotschi, dann geht die Angelegenheit sehr geräuschlos über die Bühne.

Absolute Diskretion herrscht derzeit auch bei den akuten Personalien vor. Da ist zum einen Tobias Reiter, 32, der als Hoffnungsträger und Mann der Zukunft im Trainerlager galt. Obgleich von den Sportlerinnen hochgeschätzt, beendet er nun – völlig überraschend – sein vierjähriges Wirken im Weltcup-Team. Ihm sei der Reisestress zu groß geworden, heißt es. Eine nur bedingt plausible Begründung. Schwer vorstellbar, dass Reiter nicht zu halten gewesen wäre. Überhaupt kein klärendes Wort gibt es zu Bundestrainer Gerald Hönig. Bislang sickerten nur über Insider spärliche Hinweise durch. Doch diese deuten alle auf eine Trennung hin.

Das ist schon deswegen etwas erstaunlich, weil unter der Regie des Thüringers die deutschen Biathletinnen zurück zur Weltspitze fanden. Bis zu den Winterspielen in Pyeongchang galt Hönig als unantastbar. Doch das missratene Staffel-Rennen (statt Olympia-Gold setzte es mit Rang 8 ein Fiasko) scheint seine Position schwer erschüttert zu haben.

Dabei ist diese schmerzhafte Pleite durchaus auch auf südkoreanische Windböen zurückzuführen. Genau genommen war es kein reguläres Rennen. Nur hat auch Hönig die Seinen daraufhin heftig kritisiert. Das kommt nie gut an. Und im Nachhinein ist ihm durchaus anzukreiden, dass er auf die zuvor im Mixed-Wettbewerb fehlerfrei schießende Vanessa Hinz verzichtete. Auch ist nun zu hören, dass der Cheftrainer schon länger teamintern nicht sonderlich gut gelitten war. Die Entscheidung über seine berufliche Zukunft wird nun im April bei der Klausurtagung fallen. Hönigs Chancen auf eine Weiterbeschäftigung sind gering. Dafür spricht allein schon die aktuelle Verschwiegenheit des DSV.

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