bayern reist nach istanbul

Weiter, immer weiter

von Redaktion

von hanna raif

München – Die Reise am 30. Oktober des vergangenen Jahres führte ebenso ins Ungewisse wie jene, die heute um 10 Uhr am Flughafen München startet. Damals, als die Tage kürzer und die Temperaturen kälter wurden, ging es nach Schottland, und niemand konnte genau vorhersagen, was dort passieren würde. Der „Celtic Park“ von Glasgow ist ein Stadion, in dem jeder Profi einerseits gerne mal spielen möchte, andererseits aber auch nicht. Es gab genug Ehemalige, die gewarnt hatten, und bei der Heimreise wusste man dann selbst: Unfassbar laut, unfassbar beeindruckend. Trotzdem war der FC Bayern beim 2:1 im Gruppenspiel als Sieger vom Platz gegangen.

Wie seriös kursierende Ranglisten über „die lautesten Fußball-Stadien der Welt“ sind, sei mal dahingestellt. Zweifelsfrei aber darf man davon ausgehen, dass in jenen Arenen, die vermerkt sind, eine gute Atmosphäre herrscht. Ein Beleg dafür: Der siebte Platz des „Celtic Parks“, also jenes Stadions, das selbst den Weltenbummlern im Tross des FC Bayern nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. Es rangiert damit fünf Plätze hinter der „Vodafone Arena“, in der die Bayern morgen Abend (18 Uhr) bei Besiktas Istanbul zu Gast sind.

Es wird laut werden, sehr laut. Zumal der türkische Meister ja theoretisch einen 0:5-Rückstand aus dem Hinspiel egalisieren muss, um den Bayern den sicheren Viertelfinal-Einzug noch streitig zu machen.

„Genießen“ will man den Trip laut Thomas Müller, was angesichts des Puffers aus dem Hinspiel durchaus möglich sein sollte. Trotzdem warnte der Ersatz-Kapitän: „Wir werden das nicht mit Sightseeing verwechseln.“ Weder Ausflüge in die Hagia Sophia, die Blaue Moschee oder den Topkapi Palast stehen auf dem Reiseplan noch ein Streifzug durch die kulinarische Vielfältigkeit der Bosporus-Metropole. In den 34 Stunden vor Ort – auf ein Mitternachtsbankett wird verzichtet, noch morgen Abend fliegen die Bayern wieder heim – wird es ausschließlich um den sportlichen Aspekt gehen. Und darum, „niemanden auf die Idee kommen zu lassen, dass noch etwas geht“ (Mats Hummels).

In den Köpfen der Bayern dreht sich vieles dieser Tage um den berühmten Schalter, und Stand heute hat Jupp Heynckes ihn bei allen erfolgreich umgelegt. Weil sich die heiße Saisonphase nach dem hohen Hinspiel-Sieg und dem Einzug ins Pokal-Halbfinale bis in den April verschoben hat, soll die Partie in Istanbul vor allem psychologische Wirkung entfalten. „Das Spiel und das Ergebnis sind wichtig für die kommenden Aufgaben“, sagte der Trainer nach dem 6:0-Erfolg gegen den HSV. Ihm geht es dabei kaum um den Zeitpunkt der Meisterfeier, die theoretisch am kommenden Sonntag in Leipzig stattfinden könnte. Ein weiterer Sieg, noch dazu in hitziger Atmosphäre, würde dem Selbstvertrauen eher mit Blick auf die Königsklasse guttun, in der bei der Auslosung für die Runde der besten Acht am Freitag andere Kaliber warten.

Real Madrid, der FC Liverpool, Juventus Turin und Manchester City stehen als Viertelfinalisten fest, zu rechnen ist zudem unter anderem mit Manchester United und dem FC Barcelona. Die Frage nach einem möglichen Wunschgegner wird – so unnötig sie ist – morgen Abend garantiert kommen, interessierte im Vorfeld aber nicht. „Tausendprozentig“ gehen die Bayern ja das Achtelfinal-Rückspiel laut Müller an. Arjen Robben unterstrich: „So, als ob es noch 0:0 steht.“

Die Archivarbeit auf der Suche nach einem verspielten 0:5-Vorsprung hat man sich gespart, zumal Müller ohnehin ankündigte, die Defensivschwäche des Gegners ausnutzen zu wollen und „auf das 1:0 und 2:0 zu gehen“. Dann könnte man die Atmosphäre am Ende tatsächlich genießen. Oder das Stadion endgültig zum Verstummen bringen? Beides hätte seinen Reiz – und irgendwie ja auch mit Sightseeing zu tun. Die „Vodafone Arena“ befindet sich auch in dieser Liste unter den Top 10.

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