Natürlich meldete sich gestern auch Bernd Schröder zu Wort, und zwar keine drei Stunden, nachdem die Eil-Meldung aus der DFB-Zentrale versendet worden war. Es gibt wenige, die sich im deutschen Frauen-Fußball so auskennen wie der Mann, der sein halbes Leben in dieser Nische verbracht hat, mehrfach Deutscher Meister und Champions League-Sieger war. Und es ist auch nicht so, als habe er nicht oft genug gewarnt. Die Berufung von Steffi Jones zur Bundestrainerin hat der 75-Jährige ebenso kritisch kommentiert wie die desaströse Bilanz der nicht mal zwei Jahre währenden Amtszeit. Also musste es auch ein Fazit geben. Und es fiel erwartungsgemäß und vollkommen zurecht nicht gerade gut aus.
Was gestern, am Tag nach einem langen Gespräch mit der krachend gescheiterten Jones, passierte, war nichts anderes als das verspätete Ende eines Missverständnisses. Denn die Entscheidung, zu der sich DFB-Präsident Reinhard Grindel und seine Kollegen nach dem nächsten Desaster – dem letzten Platz bei einem Einladungsturnier in den USA – durchrangen, wäre eigentlich schon nach dem Aus im EM-Viertelfinale vor gut einem halben Jahr fällig gewesen. Es war der falsche Weg, darauf zu setzen, dass die um den deutschen Frauenfußball verdiente, im Job aber unerfahrene Jones nur Startschwierigkeiten hatte – und am Ende wieder alles gut wird. Dafür waren schon zu viele Fehler gemacht worden.
Lange Zeit war im deutschen Frauen-Fußball ja alles gut, unter der ewigen Silvia Neid war das DFB-Team erfolgsverwöhnt, weil es funktionierte. Dem Vorurteil, dass Stillstand schadet, sowie dem Angriff der zunehmend stärker werdenden Konkurrenz wollte man beim DFB mit dem Kontrastprogramm begegnen. Die Einstellung von Jones war ein Wagnis, das zu groß war. Aufbruchsstimmung ist nicht schlecht, sie muss aber einem Plan folgen.
Es wäre trotzdem falsch, die Krise des Frauenfußballs der Gescheiterten allein anzulasten. Natürlich hat auch Jones Fehler gemacht, das Team selten erreicht und strittige Entscheidungen getroffen. Dafür, dass sie aber ausgewählt wurde, kann sie nichts. Was der nach der Heim-WM 2011 eigentlich aufstrebenden Sparte stets fehlte, ist ein übergeordnetes Konzept. Die Ausbildung junger Trainerinnen? Die Zusammenarbeit zwischen Liga und Verband? Die Verzahnung von Nachwuchs und A-Mannschaft? Überall besteht dringender Handlungsbedarf.
Dass Horst Hrubesch nun übernimmt, mag kurzfristig helfen, passt aber nur zu gut in dieses Bild. „Ein trauriges Zeichen für den Frauen-Fußball“, sagt Bernd Schröder. Wieder hat er Recht. Und trotzdem gilt: Besser spät als nie. Womöglich ist das Missverständnis Jones am Ende ein Wachrüttler.