München – Der eine Mann, über den alle reden, ist gar nicht erst mitgereist. Als die Mannschaft des FC Bayern gestern Richtung Istanbul abhob, fehlte Arjen Robben. Bei dem Niederländer zwicke „irgendwo ein Nerv“, klärte Karl-Heinz Rummenigge auf. Weil aber in einem derart sensiblen Athletenkörper auch ein ganz leises Zwicken manchmal langwierige Folgen haben kann, beruhigte der Vorstandsboss sofort: „Eine Vorsichtsmaßnahme. Alles okay.“
Der zweite Mann, dessen Zukunft die Bayern seit Monaten beschäftigt, erfreut sich dagegen bester Gesundheit. Franck Ribery traf gestern gut gelaunt am Flughafen ein, er trank einen Kaffee mit Uli Hoeneß und bestieg die Maschine in dem Wissen, heute Abend im Achtelfinal-Rückspiel bei Besiktas Istanbul gebraucht zu werden. Erst recht jetzt, wo mit Robben ein weiterer Flügelspieler neben dem langzeitverletzten Kingsley Coman unpässlich ist.
Anfang 2005 hat der Franzose selbst ein halbes Jahr am Bosporus gespielt, damals trug er das Trikot von Galatasaray. Aber das war noch ein anderer Ribery. Der heutige, der mit der Vita eines Weltstars, ist untrennbar mit dem FC Bayern verbunden und würde das gerne auch noch ein weiteres Jahr bleiben. Die Frage, wie der Verein mit diesem Duo verfährt, das ihm ebenso lieb wie teuer ist, ist neben der ungeklärten Zukunft von Jupp Heynckes die aktuell brisanteste. Einige der dringlichsten Themen – der anstehende Umbruch ebenso wie das Verhältnis eines möglichen neuen Trainers zu zwei nicht immer pflegeleichten Profis – sind untrennbar mit diesen Personalien verbunden.
Am Samstag hat Ribery (34) der Debatte weiteren Schwung verliehen, indem er ein exzellentes Spiel machte und zwei Treffer erzielte. Er tat dies zwar mit der Einschränkung, dass der Gegner bloß der Hamburger SV war, aber das kann ihm ja niemand vorwerfen. Ein Tor wie das 5:0, bei dessen Vorbereitung er drei HSV-Spieler wie Anfänger aussehen ließ, müssen ein Coman oder Serge Gnabry, der im Sommer aus Hoffenheim kommen wird, so erst mal hinkriegen.
Das ist die Zwickmühle, in der sich die Entscheidungsträger befinden. Einerseits hat Ribery nicht mehr die unwiderstehliche Qualität und Stabilität wie zu seinen besten Zeiten. Andererseits ist auch die nächste Generation von diesem Niveau noch ein Stückchen entfernt. Die Bosse müssen nun entscheiden, ob sie in der Spitze noch nachlegen wollen oder sich eher auf die Breite ihres edlen Kaders verlassen.
Auch vor diesem Hintergrund wurde Rummenigge gestern am Flughafen gefragt, ob man neben Leon Goretzka (Schalke) denn auch echte „Kracher“ nach München locken wolle. Er parierte sie mit dem Hinweis, der Transfermarkt nehme bekanntlich „erst in drei, vier Monaten Fahrt auf“. Dieser Hinweis ordnet auch die Verhandlungen mit den zwei Routiniers ein. Wenn es um die richtig großen Verpflichtungen geht, wird die Zukunft der Altmeister bereits lange geregelt sein.
Im April will man sich zusammensetzen. Früh genug, um zügig Klarheit zu schaffen. Aber doch so spät, dass die Bayern bis dahin noch ein paar Robbery-Debatten zu moderieren haben werden, die mit jedem gelungenen Auftritt neue Dynamik gewinnen. In der Öffentlichkeit stehen die Zwei stellvertretend für die Titel der vergangenen Jahre. Eine „Bild“-Umfrage ergab in der Causa Ribery ein Votum von 82 Prozent für eine Verlängerung.
Das ist der Rahmen, in dem beide Seiten die kommenden Wochen angehen. Rummenigge wirkt nicht, als fühle er sich dabei unwohl. Als versierter Verhandler weiß er, dass alle Trümpfe auf seiner Seite liegen. Es sei ja bekannt, dass Robben und Ribery „grundsätzlich bleiben möchten“. Dass sie sich noch gedulden müssen, hätten sie „unproblematisch akzeptiert“. Etwas anderes bleibt ihnen gar nicht übrig.