Jones’ Kredit ist aufgebraucht

von Redaktion

Der DFB entlässt die glücklose Bundestrainerin und setzt vorerst auf Allzweckwaffe Horst Hrubesch

Von Dietmar Fuchs und Frank Thomas

Frankfurt/Main – Steffi Jones ist gescheitert, nun soll Horst Hrubesch als Übergangslösung die deutschen Fußballerinnen auf dem Weg zur WM nach Frankreich voranbringen. Der DFB hat gestern die Konsequenzen aus der sportlichen Misere der Nationalmannschaft gezogen und die bisherige Bundestrainerin Steffi Jones durch den früheren HSV-Stürmer ersetzt.

Jones muss gegen ihren Willen gehen. „Ich bedaure diese Entscheidung des DFB sehr. Ich war mit vollem Engagement und Leidenschaft Trainerin dieser Mannschaft“, erklärte sie auf ihrer Homepage. „Wir befinden uns mit dem Frauenfußball in einer schwierigen Umbruchsituation und ich hätte gerne diesen Umbruch weiter engagiert gestaltet“, schrieb Jones.

Die Potsdamer Trainer-Legende Bernd Schröder sieht in der Beurlaubung von Jones unterdessen einen überfälligen Schritt. „Das war ein Notsignal, es musste etwas passieren. Es war lange klar, dass Steffi Jones die Mannschaft nicht mehr erreicht“, sagte der Ex-Coach des früheren Meisters und UEFA-Cup-Siegers Turbine Potsdam.

Siegfried Dietrich, der Manager des deutschen Rekordmeisters 1. FFC Frankfurt, sieht Hrubesch als idealen Interimscoach. „Ich denke, dass das für den Moment der richtige Schachzug ist. Danach hoffe ich auf eine gute Entscheidung – der Markt ist ja nicht so groß wie im Männerbereich“, sagte der 60-Jährige. Hrubesch war 2016 in Rio Coach der deutschen Auswahl der Männer, die bei den Olympischen Spielen Silber holte.

Reinhard Grindel will sich aber bei der Suche nach einer Dauerlösung Zeit lassen. „Bei der Trainersuche wollen wir mit den Vereinen der Bundesliga jetzt eine Lösung finden, die den Frauenfußball auf eine neue Grundlage stellt“, erklärte der DFB-Präsiden..

Zunächst muss nun aber Horst Hrubesch als Retter ran. Der 66-Jährige wird die Auswahl in den bevorstehenden WM-Qualifikationsspielen im April gegen Tschechien und in Slowenien führen. Nach der 2:3-Niederlage gegen Island im Oktober 2017 ist für die deutschen Frauen die Teilnahme an der WM trotz Führung in der Qualifikationsgruppe 5 noch ungewiss.

Zur Trainer-Entscheidung sei das DFB-Präsidium bei einer Telefonkonferenz gekommen, sagte Grindel. Es folgte einer Empfehlung des für die Nationalmannschaften zuständigen Direktors Oliver Bierhoff sowie des Sportlichen Leiters Joti Chatzialexiou. Jones könnte dem DFB laut einer Mitteilung allerdings in anderen Funktionen erhalten bleiben, deutete Grindel an. Darüber würde er „sich freuen“. Ausschlaggebend für die Beurlaubung der 45-jährigen Jones waren das Aus im EM-Viertelfinale 2017 und der letzte Platz jüngst bei einem Einladungsturnier in den USA.

„Der Entscheidung ist eine intensive Analyse der vergangenen Monate vorausgegangen“, begründete Bierhoff. Nach der enttäuschenden EM in den Niederlanden habe man mit Jones weitermachen wollen. Nun aber führte die sportliche Entwicklung die DFB-Oberen zu der Überzeugung, „dass die Mannschaft eine neue Führung braucht. Wir wollen den Wechsel nutzen, um die Strukturen im Frauenfußball weiter zu professionalisieren, die Verzahnung mit dem Männerbereich zu verstärken und neue Wege zu gehen“, erklärte Bierhoff.

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