Seriös nach Nyon

von Redaktion

Neue Ziele: UEFA-Ranking und Vereinskonto

München – Wäre die Vorstellung nicht so skurril, könnte man meinen, bei einem gut organisierten Verein wie dem FC Bayern gäbe es einen Ordner mit Standardformulierungen für alle sportlichen Lebenslagen. Zum Beispiel für Champions League-Rückspiele, die nur noch der Vollständigkeit halber ausgetragen werden müssen. Vor einem Jahr um diese Zeit reiste der Klub nach London zum FC Arsenal, im Gepäck ein herrlich bequemes 5:1-Polster aus der ersten Partie. Am Einzug ins Viertelfinale war nicht mehr ernsthaft zu zweifeln, dennoch warnte Karl-Heinz Rummenigge davor, die Aufgabe zu leicht zu nehmen. Die Tür sei bereits geöffnet. Man müsse aber noch „seriös und respektvoll durchgehen“.

Nahezu wortgleich stimmte der Vorstandsboss die Bayern gestern auf die Reise nach Istanbul ein. Er appellierte auch diesmal an die Seriösität und erinnerte daran, dass es trotz der Eindeutigkeit eines 5:0-Hinspielsieges noch Ziele gebe. Die Punkte, die ein Sieg am Bosporus mit sich bringe, seien „gut und wichtig fürs Ranking“, und am Ende gehe es „natürlich auch ums Geld“ (wie damals in London, als man auch das Rückspiel 5:1 gewann). 6,5 Millionen Euro ist der Einzug ins Viertelfinale wert, 26,2 haben die Bayern in dieser Champions League-Saison bereits an Prämien eingespielt.

Vor drei Wochen hätte der Ausflug in den Vodafone-Park, wo Rummenigge beim letzten Besuch 1997 „Ohrensausen wie nach einem Rolling Stones-Konzert“ verspürte, noch Unbehagen ausgelöst. Mit einem Fünf-Tore-Vorsprung im Rücken klingt das schon anders. Wo Rummenigge noch Diplomatie walten lässt, schlägt Uli Hoeneß Töne an, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. „Da kann nichts passieren“, versicherte der Präsident gestern. „Da habe ich keine Sorge. Wenn wir ein 5:0 nicht verteidigen, müssen wir aufhören.“

Es klingt dann auch ein bisschen pflichtschuldig, wenn Torwart Sven Ulreich ankündigt, auf die Bayern warte „natürlich ein schwieriges Spiel, anders als zuhause“. Nicht nur insgeheim schauen die Münchner bereits auf den Freitag, wenn in Nyon die Viertelfinals ausgelost werden. Auch Rummenigge kann sich einen Ausblick nicht vergreifen: „Wenn wir dabei sind, und danach sieht es ja aus, hoffe ich, dass wir ein schönes Los kriegen.“ Bei aller Seriösität.  mb

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