Zwanziger abgeblitzt

von Redaktion

OLG weist Schadenersatz-Forderung des früheren DFB-Chefs zurück

Frankfurt – Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger ist mit seiner Schmerzensgeld-Klage im Zusammenhang mit dem Sommermärchen-Skandal erneut gescheitert. Das Oberlandesgericht (OLG) in Frankfurt/Main bestätigte ein Urteil des Landgerichts vom März 2017. Laut des OLG stellt das Ermittlungsverfahren gegen Zwanziger wegen schwerer Steuerhinterziehung „keine Amtspflichtverletzung“ dar. Ansprüche auf Schmerzensgeld bestünden deshalb nicht.

Zwanziger wollte vom Land Hessen 25 000 Euro Schadenersatz erstreiten, weil er die Ende 2015 durchgeführte Hausdurchsuchung für unbegründet hält und zudem das „Leck“ im Steuerverfahren gegen ihn und andere frühere Funktionäre des DFB anprangert. Das OLG-Urteil ist noch nicht rechtskräftig – trotz der „Nichtzulassung der Revision“. Diese kann innerhalb von einem Monat mit einer Beschwerde vor dem Bundesgerichtshof (BGH) angegriffen werden.

Im Kern der Ermittlungen geht es um 6,7 Millionen Euro, die ein Jahr vor der Heim-WM 2006 vom DFB an den Weltverband FIFA gezahlt wurden. Der Betrag wurde auf ein Konto des ehemaligen Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus weitergeleitet. Der damalige OK-Chef Franz Beckenbauer hatte diesen Deal eingefädelt. Drei Jahre zuvor war die gleiche Summe über ein kompliziertes Konstrukt, an dem Beckenbauer offenbar beteiligt war, an den Funktionär Mohamed Bin Hammam in Katar geflossen.

Nach Bild-Informationen gehen die Steuerfahnder davon aus, dass der DFB mit der Zahlung 2005 ein Privatdarlehen von Dreyfus an Beckenbauer ausgeglichen und später unrechtmäßig als Betriebsausgabe geltend gemacht habe. Das Finanzamt Frankfurt/Main hatte bereits Ende Oktober 2017 entschieden, dass jene 6,7 Millionen Euro, die der DFB für eine nie stattgefundene WM-Gala verbucht hatte, steuerlich „unzutreffend“ behandelt worden seien – und verhängte eine Strafzahlung in Höhe von 19,2 Millionen Euro.

Angeblich stehen die Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft vor dem Abschluss. Auch Wolfgang Niersbach und dem Ex-Generalsekretär Horst Schmidt drohen Anklagen.  sid

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