München – Der FC Bayern hatte für diesen besonderen Abend ja nichts dem Zufall überlassen. Sogar der bedingt bedeutungsschwere Champions-League-Kick in Istanbul wurde auf dem Videowürfel des Audi Dome übertragen. An der Fangemeinde sollte es an diesem Abend nicht fehlen. Und diese Rechnung ging ja auch auf 5845 Zuschauer, Bayern-Legende Bulle Roth inklusive, wurden zur würdigen Kulisse für einen knisternden Basketball-Abend.
Der für den FC Bayern ein historisches Ende nahm. Noch nie hatten es die Münchner Korbjäger in ein europäisches Halbfinale gebracht. Mit dem 91:81 (46:42) im alles entscheidenden dritten Viertelfinale gegen UNICS Kasan hat das Team von Trainer Sasa Djordjevic nun auch diese Lücke geschlossen. Vom kommenden Dienstag an streitet man mit Darüssafaka Istanbul um das Ticket für das Eurocup-Finale. Die Münchner müssen zuerst auswärts ran, am Freitag (23.3.) sehen sich die beiden Teams in der Serie nach dem Modus best of three im Audi Dome wieder.
Dabei zeigte sich schnell, was nach dem Verlauf der beiden ersten Partien zu erwarten war: Der Weg nach Istanbul würde kein leichter sein. Den Kasan suchte buchstäblich die Flucht nach vorne. Und die Gäste aus Russland taten es mit bemerkenswerter Effizienz. Die ersten Würfe saßen allesamt. Das war nicht gut fürs Münchner Nervenkostüm. Aber die Bayern schüttelten sich nur kurz. Und was sich prima traf: Die Münchner Dreier fielen. Magere sieben Distanzwürfe hatte man über die beiden ersten Viertelfinals ins Ziel gebracht. An diesem Abend hatten die Statistiker schon im ersten Viertel deren fünf erfasst – Jared Cunningham (2) und Reggie Redding (3) sei Dank.
Je länger die erste Halbzeit dauerte, desto mehr Sicherheit erarbeitete sich das Team von Sasa Djordjevic. Mit etwas mehr Konsequenz wäre zur Pause sogar mehr drin gewesen als ein 46:42.
Die Bayern hatten vor allem im zweiten Duell am Freitag ja gesehen, wie schnell sich gegen ein Team von der Qualität des russischen Tabellenführers die Geschicke ändern können. Binnen von Sekunden war da eine Zehn-Punkte-Führung dahin. Und auch diesmal brachte sich Kasan schnell wieder in Erinnerung. Aus dem bis dahin so hochklassigen wurde nun vor allem ein hektisches Spiel. Aus dem sich Devin Booker Mitte des dritten Viertels als erster verabschiedete. Der US-Center, in den beiden ersten Partien der überragende Münchner, wurde von den beidseitig unsicheren Unparteiischen nach seinem vierten Vergehen noch mit einem Technischen Foul belegt und musste auf die Bank. Doch das war an diesem Abend zu verkraften. Auch weil Reggie Redding (23 Punkte) und Jared Cunningham (21) das Heft weiter in die Hand nahmen.
Letzterer trieb den Ball auch in den Schlusssekunden des dritten Viertels nach vorne. Jeder wusste, was kommen würde. Stoppen konnte aber auch die robuste russische Defensive seinen dynamischen Zug zum Korb nicht. 69:63 hieß es da – so langsam aber sicher roch es in der Arena am Westpark doch nach Halbfinale.
Natürlich stemmten sich die Gäste gegen das Ausscheiden.. Das spanische Spielmacher-Kraftpaket Quino Colom (7 Assists) kurbelte nach Kräften. Und UNICS Kasan ließ sich ja auch nicht abschütteln. Die Russen trafen und trafen. Doch anders als noch beim verlorenen Auswärtsspiel hatten die Münchner diesmal immer eine Antwort parat. Knapp zwanzig Sekunden vor Schluss, die Basketball-Fans in der alten Arena am Westpark standen da längst auf ihren Sitzen, setzte Regisseur Stefan Jovic mit einem Dreier den Deckel auf eine bemerkenswerte Partie.