Bremerhaven (ent)nervt den EHC

von Redaktion

München und seine Olympia-Stars starten mit 3:4-Niederlage in die Playoffs – Kahun verletzt vom Eis

Von Günter Klein

München – Und plötzlich ist das Duell des Meisters und Vorrundenbesten mit dem Neunten, der erst sein zweites Jahr in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) spielt, kein Selbstläufer mehr. Eine Sensation: Der mit sieben Silbermedaillengewinnern ausgestattete EHC München unterlag zum Auftakt der Viertelfinals zuhause den Fischtown Pinguins 3:4 (2:0, 0:1, 1:2, 0:1).

Eishockeyspiele nehmen oft unerwartete Verläufe, binnen weniger Momente kann sich Souveränität in Genervt-heit wandeln. So ging es dem EHC, wenn man das erste mit den folgenden Dritteln vergleicht.

„Wir haben vieles richtig gemacht“, sagte Kapitän Michael Wolf nach dominanten zwanzig Minuten mit eindeutigem Playoff-Charakter: Viel Zug zum Tor, spürbare Energie auf dem Eis. Wenn was zu bekritteln war, dann, dass die Münchner nur zwei Tore aus ihrer Überlegenheit von 13:7 Torschüssen bezogen. Frank Mauer traf zum 1:0 (5.), Michael Wolf war mit dem 2:0 dran (11.). Trainer Don Jackson hatte die Sturmreihen so zusammengestellt, wie sie sich über die Saison am besten bewährt hatten, Dominik Kahun, der Mauer und Mads Christensen an seiner Seite hatte, bildete das kreative Zentrum des EHC-Spiels. Um ihn herum verdichtet es sich, dass es seine Abschieds-Playoffs werden. Bisher hatte er Einladungen in NHL-Camps abgelehnt, nun werden ihm wohl die Chicago Blackhawks, die ihn im Januar in Mannheim mit vier Scouts beobachtet hatten, ein Angebot machen. Gestern schied er kurz vor Schluss aus – mit offensichtlich schwerer verletzter rechter Hand.

Also: München wirbelte zunächst, Bremerhaven machte der Forecheck-Druck zu schaffen, im Aufbauspiel misslang den Verteidigern manchen Pass, das 0:2 kam durch einen solchen Fehler zustande.

4720 Zuschauer hatten sich in der Olympia-Eishalle eingefunden. Zur Ausverkauft-Marke fehlten gut 1400 Interessenten, aber das war erklärbar: Mittwoch ist nicht der klassische Eishockey-Tag, München konnte zur gleichen Zeit noch ein paar andere Live-Sportereignisse anbieten (TSV 1860, Bayern-Basketballer, und im Fernsehen lief Champions League); zudem gilt Bremerhaven nicht als Spektakelteam, das man sehen muss, und aufgrund der Reisedistanz von über 800 Kilometern hatten die Fischtown Pinguins nur zwanzig, dreißig Fans dabei. Die jedoch hatten am zweiten Drittel ihre helle Freude. Direkt vor ihnen agierte ihr Torhüter Thomas Pöpperle, der 17 Münchner Schüsse wegfischte. Die Kurve feierte unentwegt „Pöp-per-le“. Bremerhaven kam durch Jason Bast etwas kurios (nach einigen Scheiben-Verspringern rund um EHC-Goalie Aus den Birken) zum Anschlusstor, das Match wurde mit einem Mal unwägbar.

Die nächste Stufe nach der Genervtheit: Nervosität. Die Münchner kamen offensiv nicht weiter – und defensiv in Bedrängnis. Nach einer von Aus den Birken verursachten Strafzeit glichen die Pinguins durch Rumble aus (51.) – anerkannt durch minutenlange Videobeweisprozedur. Ohne Sichtung des Materials entschieden die Referees in der 55. Minute auf 3:2 für Bremerhaven, da hatte Quirk aus der Drehung getroffen,

Dramatik pur: Mit sechs gegen drei erzwang der wankende EHC im vorletzter Minute durch Mauer 3:3 und Verlängerung. In deren vierter Minute traf Pinguins-Verteiiger Jensen.

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