Tennis

Gegen alle Widerstände

von Redaktion

Angelique Kerber eilt in Indian Wells ins Viertelfinale und spürt das Gefühl von 2016

VON Doris Henkel

Indian Wells – Am Mittwoch kam auf einmal Wind auf. Die Blätter der Palmen bogen sich schon am frühen Morgen, die Temperatur war spürbar gefallen. Wieder andere Bedingungen also, noch mal umstellen und versuchen, sich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Aber damit hat Angelique Kerber dieser Tage in Indian Wells eine gewisse Übung. Ihre erste Partie wurde wegen Regens abgebrochen und erst am nächsten Tag fortgesetzt, die zweite fand in der grellen Sonne des Nachmittags statt, die dritte wieder am Abend zu sehr später Stunde vor fast leeren Rängen. „Das ist schon ein schwieriges Turnier hier“, stellte sie nach ihrem höchst souveränen Sieg in der vierten Runde gegen die Französin Caroline Garcia fest (6:1, 6:1), „superschön, aber wirklich schwer.“

Aber im Gegensatz zu den ersten beiden Auftritten gegen die russischen Doppelpartnerinnen Jekaterina Makarowa und Jelena Wesnina brauchte sie diesmal weder Zuspruch von ihrem Coach Wim Fissette noch allzu viel Zeit. Die ersten Runden eines Turniers stecken für alle voller Fallen, wenn der Rhythmus im Spiel noch nicht stimmt. Tatsächlich: als die Partie gegen Makarowa abgebrochen wurde, hatte Kerber den ersten Satz verloren, wirkte fahrig, ungeduldig und genervt. Das sah sie mit einem Blick zurück selbst so. „Der Regen hat mich am ersten Tag wirklich gerettet“, gab sie zu.

Normalerweise regnet es alle fünf Jahre mal bei diesem Turnier am Rande der grün bepflanzten kalifornischen Wüste, über die Ausnahme freute sich dann nicht nur der Boden, sondern auch die beste deutsche Tennisspielerin. Sie sagt, im Spiel gegen Garcia habe sie vom ersten Moment an ein gutes Gefühl für den Ball gehabt, Aufschlag und Return hätten besonders gut funktioniert, und so allmählich nähere sie sich der Selbstsicherheit, mit der sie in den ersten Wochen der Saison in Australian überzeugt hatte. Als es so ausgesehen hatte, als spiele die Angelique Kerber des Jahres 2018 genauso gut oder fast noch besser als die von 2016. Das Gefühl, so sagt sie, komme langsam, langsam wieder.

Fünf Jahre sind vergangen, seit sie in Indian Wells zum letzten Mal im Halbfinale spielte, und zu dieser Stufe fehlt jetzt noch ein Sieg in der Partie heute gegen Daria Kasatkina, gegen die sie 2017 von drei Spielen zwei verloren hatte. Die junge Russin spielt nicht nur ausgesprochen gern auf dem Boden in Indian Wells, sie ist auch ziemlich gut in Form. Beim Turnier in Dubai kürzlich erreichte sie das Finale, und beim Sieg im Achtelfinale gegen Caroline Wozniacki (6:4, 7:5) spielte sie so druckvoll und clever, dass die Dänin hinterher zugab, sie sei überlistet worden. Mit dem Erreichen des Viertelfinales ist Kasatkina die Nummer eins der russischen Spielerinnen, und sie wird nach dem Turnier so gut wie noch nie in der Weltrangliste platziert sein (15).

Angelique Kerber ist gewarnt. „Ich weiß, das wird knifflig gegen Kasatkina. Sie hat sicher viel Selbstvertrauen nach Dubai und jetzt nach dem Sieg gegen Wozniacki. Und ich weiß, dass sie genau weiß, was sie auf dem Platz macht.“ Aber sie sagt auch, nach vielen Sponsoren-Terminen in der Woche vor dem Beginn des Turniers und den beiden komplizierten Spielen zu Beginn fühle sie sich wieder frei. Jetzt muss sie nur noch spielen, und es wäre ganz hübsch, wenn ihr im Viertelfinale ein paar mehr Leute zuschauen würden als beim Sieg gegen Garcia.

Manchmal kann man nur staunen, auf welche Ideen Turnierveranstalter kommen. Als sei es nicht ohnehin schon relativ ziemlich spät – nach 22 Uhr – mussten die beiden noch mal zehn Minuten auf den Beginn ihres Spiels warten, weil eine Saxofonistin im Stadion Nummer eins für 500 Zuschauern zwei Stücke spielen durfte. Die Dame hieß Mindi Abair und rockte nicht schlecht, Angelique Kerber und Caroline Garcia standen derweil im Gang und warteten. Wind und Wetter sind manchmal nicht die einzigen Gegner.

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