Punkte da, Karger weg

von Redaktion

Beim glanzlosen 2:0-Heimsieg gegen Unterföhring muss der Löwen-Linksaußen verletzt raus

von uli kellner

München – Schon nach etwa einer Stunde Spielzeit wusste Michael Görlitz, dass er seinen Trainingsanzug bis zum Schlusspfiff anbehalten durfte. Der ungefährdete 2:0 (1:0)-Heimsieg gegen Schlusslicht Unterföhring wäre zwar bestens geeignet gewesen, um dem Winterzugang seine ersten Einsatzminuten im Trikot des TSV 1860 zu verschaffen, doch in einem überraschend kampfbetonten Spiel waren andere Wechsel eher angezeigt. Kodjovi Koussou musste bereits Mitte der ersten Halbzeit mit gezerrtem Oberschenkel vom Feld, der Wechsel Weeger gegen Köppel (54.) schien dagegen taktischer Natur zu sein, doch Nico Karger hatte es mal wieder schwerer erwischt. Sein schmerzverzerrter Blick ging Richtung Knie. Betreuer eilten herbei und gaben das Zeichen zur Auswechslung (59.). Karger ging, der defensive Türk kam – und Görlitz sah von der Bank aus zu, wie es seine neuen Kollegen versäumten, dem Publikum noch ein paar Tore mehr zu bieten.

„Es war nicht das beste Spiel – da brauchen wir nicht drüber zu reden“, brummte Sascha Mölders, entschied sich aber für eine pragmatische Sichtweise: „Wir haben jetzt aus drei Spielen neun Punkte geholt, das ist gut.“ 1860-Coach Daniel Bierofka schien vor allem beruhigt zu sein, dass Karger wohl nicht ganz schlimm verletzt ist: „Es hat selber gesagt, dass nichts gekracht und geknackt hat, aber warten wir mal ab – und gehen vom Positiven aus.“

3:0 im Hinspiel, 4:0 im Totopokal, und diesmal? Das dritte Aufeinandertreffen der gegensätzlichsten Vertreter dieser Regionalliga hatte kaum begonnen, da durften sich die 12 500 Zuschauer schon wieder von ihren Sitzen erheben. Die Löwen starteten nicht nur nominell offensiv – mit Kindsvater für Türk und Köppel für Andermatt. Sie setzten auch ihre 2018 begonnene Reihe der frühen Tore fort. Als Markus Ziereis eine schöne Kombination über die rechte Seite mit dem 1:0 abschloss, waren noch keine 90 Sekunden auf der Uhr. „Eigentlich so wie immer“, rief Stadionsprecher Stefan Schneider mit Blick auf den Torschützen, der schon in den beiden letzten Heimspielen für frühen Jubel gesorgt hatte. Die 16. Minute war es gegen Buchbach (Endstand 2:1), die 22. Minute gegen Seligenporten (3:0), nun die zweite – Saisonrekord.

Allerdings: Auch in einem anderen Punkt blieben sich die Löwen treu – sie hielten das Tempo nicht hoch, drückten nicht auf das 2:0, sondern schoben sich zunehmend drucklos die Bälle zu. Wenn es mal dynamisch wurde, hatten Ziereis und Linksaußen Karger die Füße im Spiel, aber auch das waren Raritäten in den ereignisarmen 45 Minuten vor der Pause. „War wieder schwach“, grantelte der Obststandl-Didi auf der Haupttribüne.

Die Stimmung auf den nicht voll besetzten Rängen wurde dann vorübergehend besser. Mit Beginn der zweiten Hälfte zeigten die Löwen, dass sie nicht nur frühe Tore draufhaben – sondern auch frühe Tore nach dem Wiederanpfiff. Ecke Daniel Wein, Kopfball Jan Mauersberger (48.) – auch die Standardtor-Serie der Löwen hat weiter Bestand. Es war der fünfte Treffer nach ruhenden Bällen im dritten Heimspiel 2018.

Eigentlich hätte der Tabelenführer jetzt befreit aufspielen können, doch irgendetwas hemmte ihn. Die frühen Wechsel? Die vielen Verletzten? Richtig gute Torchancen sprangen jedenfalls nicht mehr heraus, und so blickte Sechser Wein mit einer Mischung aus Sorge und Selbstkritik voraus: „In Ingolstadt am Montag sollten wir uns auf jeden Fall steigern.“

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