ManU und Mourinho scheitern

Tristesse im Theater

von Redaktion

Öffentliche Auftritte folgen bei Jose Mourinho immer denselben Mustern. Wird er attackiert, schlägt er umgehend zurück und achtet dabei ungefähr so behutsam auf das richtige Maß wie Donald Trump. Siege feiert er nicht euphorisch, eher in einer selbstgerechten War-mir-immer-klar-Attitüde. Besonders spektakulär aber reagiert er auf Niederlagen. Schiedsrichter, Verbände, unfaire Gegner – es gibt eine Menge Faktoren, die verantwortlich sein können. Der Faktor Mourinho gehört nie dazu.

Am Dienstag ist Manchester United unter der Führung des Portugiesen aus der Champions League ausgeschieden. Überraschend stellte er anschließend zwar nicht die These auf, seiner Mannschaft sei himmelschreiendes Unrecht widerfahren, was angesichts von vier Torschüssen in 180 Minuten auch eine kühne Theorie gewesen wäre. Zu Selbstkritik aber konnte er sich wieder nicht durchringen.

Die Premier League bietet seit Jahren ein vielfältiges Spektakel, ob durch schiere Finanzkraft, große Namen oder eben schillernde Charaktere. Umso ernüchternder sind die jüngeren Vorstellungen im Old Trafford-Stadion, dessen stolzer Beiname „Theater der Träume“ allmählich wie blanker Hohn klingt. Mourinho war nie ein Trainer, dem der ästhetische Wert des Spiels wichtig war. Das wurde toleriert. Solange er siegte und Titel holte.

In Manchester zeigen sich gerade Chancen und Risiken der englischen Investorenlandschaft. Bei City, dem souveränen Tabellenführer, wird noch mehr Geld ausgegeben als bei ManU, insgesamt mehr als eine halbe Milliarde Euro allein seit Pep Guardiolas Ankunft im Sommer 2017. Aber dafür gibt es auch schönen, erfolgreichen Fußball, aufgeführt von einem ausgewogenen Kader, der angeleitet wird von einem Trainer mit einer Idee.

United und Guardiolas Lieblingsfeind Mourinho sind das Gegenbeispiel. Aktuell erlebt die staunende Öffentlichkeit, wie man mit unfassbar viel Geld eine bemerkenswert kümmerliche Rendite erzielen kann. Dennoch geht Jose Mourinho auch für kommende Saison von einem sehr opulenten Transfer-Etat aus. Einen anderen Weg kennt der Mann, der sich selbst einst den Beinamen „the special one“ gab, schon lange nicht mehr. In der Fachwelt hat ihn seit einer Ewigkeit niemand so genannt.

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