München – Dies sind die Playoffs! Und zu ihnen gehört: Es wird nichts verraten, was dem Gegner einen Wissensvorteil bringen könnte. Daher gibt es vom EHC München in Sachen Dominik Kahun für Spiel zwei der Viertelfinalserie heute (19.30 Uhr) in Bremerhaven: „Einsatz fraglich. Entscheidung am Spieltag.“ Was am Mittwochabend jeder hatte sehen können: Dass Dominik Kahun, der Ausnahmespieler, in der 57. Minute vom Bremerhavener Christopher Rumble einen wüsten Hieb auf die rechte Hand bekommen hatte, dass er sofort den Handschuh auszog und prüfte, ob er die Finger noch bewegen kann und ob was anschwillt, dass er auf der Bank behandelt wurde und schließlich nach 58:43 Minuten Spielzeit das Eis verließ und nicht mehr wiederkam.
Ist die Hand gebrochen und womöglich die Saison beendet für Kahun? Oder ist es nur eine Prellung? Am Mittwochabend sagte Münchens Trainer Don Jackson nur, man müsse die Röntgenuntersuchung abwarten, ob ein Bruch vorliege. Am Donnerstag zog sich der Klub dann hinter das branchenübliche Schweigen zurück.
Der EHC München hat das erste Match der Viertelfinal-Serie (Best of Seven) gegen den Hauptrunden-Neunten und Pre-Playoff-Qualifikanten Fischtown Pinguins Bremerhaven 3:4 nach Verlängerung verloren. Dadurch ist natürlich noch überhaupt nichts passiert und der EHC weiterhin der Favorit – doch erstaunlich war es schon, wie leicht die Mannschaft aus der Spur geriet. Mit ihren sieben beschwingten Silbermedaillengewinnern, mit ihrer Playoff-Mentalität, die sich in den Meisterjahren 2016 und 17 in einer Bilanz von 24:4 Siegen in der entscheidenden Phase der Saison äußerte. Mit einer 2:0-Führung begann auch das Spiel gegen Bremerhaven standesgemäß.
Was geschah dann? Jackson verbiss sich in die Leistung der Schiedsrichter Sirko Hunnius und Marc Iwert. Deren Strafe gegen Goalie Danny Aus den Birken (Verschieben des Tores) sei ein „totaler Witz“ gewesen (auf den das 2:2 fiel), danach sei ein Stockschlag gegen Daryl Boyle nicht geahndet worden (Boyle: „Ein Foul, zu hundert Prozent“). Und schließlich die Sache mit Kahun.
Die Referees befragten den Teamarzt, während er Kahuns Hand untersuchte, ob er eine Diagnose stellen könne. Der Doktor sagte ehrlich, dass er noch nicht soweit sei. Jackson: „Das ist eine Fehlkommunikation, wie sie im Eishockey manchmal vorkommt.“ Er werde den Arzt anweisen, „dass er das nächste Mal sagt: Der Spieler ist verletzt.“ Übeltäter Rumble hätte dann eine Fünf- und nicht nur eine Zwei-Minuten-Strafe bekommen müssen, der EHC hätte mit Frank Mauers Ausgleich (bei 58:43) die Strafe für Rumble nicht aufgehoben, sondern wäre in Überzahl geblieben – sogar bis in die Overtime hinein, in der dann ein nicht gefährlich anmutender Flachschuss von Nicolas Jensen bei 63:18 an Aus den Birken vorbeiflutschte.
Mit dem Schiedsrichter-Duo wird der EHC leben müssen, der Plan von DEL-Schiedsrichter-Chef Lars Brüggemann ist, dass eine feste Besetzung eine ganze Serie leitet – außer vielleicht, sie zieht sich hin, dann ist ein Austausch möglich. Auf alle Fälle wird Jackson sich an den „Series Manager“ wenden, den die Liga für München – Bremerhaven als Ansprechpartner und Schlichter eingeteilt hat: Rob Leask. Ein ehemaliger Spieler von ihm bei den Eisbären Berlin, „aber nur kurz, er war verletzt, als ich dort arbeitete“.
Kein schöner Tag für den EHC München. Ausgenommen Jon Matsumoto. Der Stürmer wurde vor dem Spiel Vater.