Bierhoff fordert neuen Masterplan

von Redaktion

DFB-Direktor will „Silo-Denken aufbrechen“: Der deutsche Fußball hat Problemchen, die Probleme werden können

München – Für den Fortschritt, gegen den Sturz aus der Weltspitze – ein „Masterplan 2.0“ soll den deutschen Fußball in ein neues Zeitalter führen. DFB-Direktor Oliver Bierhoff fordert angesichts des schwachen Abschneidens im Europapokal, spielerischer Defizite und allgemeiner Stagnationstendenzen eine Qualitätsoffensive aller.

„Es muss den nächsten Masterplan geben wie zuletzt 2000“, sagte er bei einem Hintergrundgespräch in München, eine Referenz an den Tiefpunkt mit dem EM-Desaster vor 18 Jahren. „Das hört sich hochgegriffen an, aber der nächste Schritt muss kommen!“ Die Revolution von 2000, bei der der DFB jeden Stein umdrehte, mündete in den WM-Titel 2014.

Die russischen Spezialitäten im Restaurant „Kounge“ waren für Bierhoff ein Vorgeschmack auf die WM 2018, aber der neue „DFB-Superminister“ hat Größeres im Sinn: „Silo-Denken aufbrechen, agiler und vernetzter denken.“ Dabei wollte er nicht den Teufel an die Wand. „Die Situation ist nicht verheerend, wie sie 2000 war“, sagte er, und doch sieht er Problemchen, die zu Problemen heranwachsen könnten: „Wir haben etwas nachgelassen, das sieht man im U-Bereich oder bei den Frauen.“

Alle Verantwortlichen, explizit „auch bei den Vereinen“, hätten die Zeichen der Zeit erkannt: „Wir müssen agieren. Das sieht auch die DFL mit Christian Seifert an der Spitze so, mit dem wir auf einer Linie liegen.“ Der Umbruch soll, muss jetzt im Erfolg vollzogen werden, bevor es abwärts geht. Davon scheint auch der Bundestrainer überzeugt. Joachim Löw hat kritisiert, dass viele Vereine nichts mehr mit dem Ball anfangen können, nachdem sie ihn erobert haben. „Ein Kernproblem ist, dass man in der Bundesliga immer gegen den Ball arbeiten will. Aber die Frage ist, was passiert, wenn ich ihn habe? Das ist das Allerwichtigste.“

Auch im Nachwuchs hinkte man. „Wir hatten vor einigen Jahren sechs oder sieben Toptalente in einem Ausbildungsjahrgang, jetzt sind es manchmal nur noch zwei oder drei“, so Löw. Seine Schlussfolgerung: „Wir müssen was tun im deutschen Fußball und aufpassen, dass wir nicht von anderen Nationen abgehängt werden.“ Ende 2020 oder Anfang 2021 soll die neue DFB-Akademie in Frankfurt eröffnet werden. Sie wird ein Baustein seines „Masterplans 2.0“ sein, ein „Silicon Valley, ein Harvard des Fußballs“, so Bierhoff. sid

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