Das Fondue-freie Ingolstadt hofft noch

von Redaktion

ERC baut in den Playoffs auf Ville Koistinen, den besten Spieler in der DEL – der auch ein Kandidat für München ist

Von Günter Klein

Ingolstadt/München – „It was a good goal“ ist zu einem geflügelten Satz des deutschen Eishockeys geworden. Es war die Ansage des Hauptschiedsrichters bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang, nachdem er den deutschen Verlängerungstreffer im Viertelfinale gegen Schweden in der Aufzeichnung begutachtet und für regulär befunden hatte.

In der Deutschen Eishockey-Liga sind die erklärenden Ansagen des Referees noch nicht eingeführt worden, in der DEL gilt nach wie vor die Zeichensprache. Der ausgestreckte Arm, der auf den mittleren Anspielpunkt deutet, drückt aus: „It was a good goal.“ Es war ein Tor. Es war die Geste, auf die am Sonntagabend die Mehrzahl der Zuschauer in der ausverkauften Ingolstädter Eisarena gehofft hatten. Mike Collins hatte in der 13. Minute der Verlängerung einen Sololauf mit einem Schlenzer ins Mannheimer Tor abgeschlossen, doch Martin Rohatsch und Gordon Schukies, die Spielleiter, gingen lieber noch einmal schauen. Sie hatten dann nichts auszusetzen.

Ingolstadt gewann das dritte Spiel der Viertelfinalserie mit 4:3 und verkürzte auf 1:2 – was immer noch kein guter Zwischenstand ist, wenn man bereits zwei Heimspiele hatte. Doch es könnte viel schlimmer sein. „Bei einem 0:3 gegen Mannheim brauchen wir nicht mehr zu reden“, sagte Ingolstadts Routinier Thomas Greilinger, dessen Tor zum 3:2 sein 600. Scorerpunkt in der DEL war. Der ERCI war Vierter in der Hauptrunde, Mannheim Fünfter – doch die Adler, vor ein paar Wochen noch außerhalb der Pre-Playoff-Ränge, treten mit der Souveränität eines Titelanwärters auf. Man hat sie wieder auf der Rechnung.

Bei Ingolstadt hat sich jedoch ebenfalls ein klarer Aufwärtstrend eingestellt – mit Doug Shedden, dem dritten Trainer in dieser Saison. Und vor allem mit Ville Koistinen, Finne, Verteidiger, seit 18 Spielen in Ingolstadt. Bilanz: 19 Scorerpunkte.

Der TV-Kommentator Basti Schwele sagt über den 35-Jährigen: „Er ist so gut, dass er gar nicht weiß, wie der Puck aussieht.“ Heißt: Koistinen ist so scheibensicher, dass er den Kopf immer oben halten und das Spiel im Blick haben kann. „Er ist der beste Verteidiger in der DEL, und das seit vielen Jahren“, sagt der begeisterte Mitspieler Thomas Greilinger. Und er weiß: „Unter anderen Umständen wäre er nicht bei uns.“

Die besonderen Umstände bei Koistinen, 35, sind pikanter Natur. Der ehemalige NHL-Spieler (Nashville, Florida) war seit 2013 Star im Schweizer Eishockey, erst beim HC Davos, dann beim SC Langnau. Was dort geschah, breitet der Schweizer Boulevard genüsslich aus: Ville Koistinen ließ sich auf eine Affäre ein mit der Fondueserviererin aus dem VIP-Raum des Vereins, die Mutter der jungen Dame prahlte mit der Promi-Liebelei der Tochter – und so erfuhr Frau Koistinen davon. Sie schritt ein, und so kam Koistinen ins Käsefondue-freie Ingolstadt. Familie gerettet.

Es soll den Koistinens gut gefallen in Ingolstadt, doch der Vertrag läuft nur bis Saisonende (das schon am Freitag kommen kann; heute ist Spiel vier in Mannheim). Man ist darauf gefasst, dass die Zeit mit dem finnischen Genie nur eine Episode bleibt. Die Finanzgrößen der DEL (München, Mannheim) werden zu den Interessenten gezählt, doch Koistinen hat auch Optionen in jeder ernsthaften europäischen Liga.

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