Form halten – bis zur WM

von Redaktion

Selina Jörg will Erfolgslauf fortsetzen

von uli kellner

München – Ausschlafen. Gemütlich Kaffee trinken. Urlaubstage beginnen so, doch für Selina Jörg, 30, war es bereits der Gipfel der Entspannung, gestern mal nicht in einem Hotelzimmer aufzuwachen. Sondern daheim im geliebten Allgäu zu sein, in aller Ruhe „die Tasche auszupacken“ – und noch mal zu staunen, was sich im Laufe des Winters alles an Souvenirs angesammelt hat. „Es war eine Saison“, sagt die bei Olympia und im Weltcup reich dekorierte Snowboarderin: „Ich hätte sie mir nicht besser träumen können.“

Die Silbermedaille von Südkorea hing bereits im Trophäenregal, das ihr Freund als Empfangsgeschenk gezimmert hat. Neu dazugekommen ist am Wochenende: der Siegerpokal von Winterberg. Im 31. Lebensjahr ist Selina Jörgs Karriere richtig rund geworden. Mit 20 holte sie Gold bei der Junioren-WM – jetzt durfte sie erst bei den Winterspielen jubeln, dann beim Weltcupfinale. „Beides in einer Saison – das ist wirklich unbeschreiblich“, sagt sie.

Mit Jörgs Karriere scheint es sich wie mit einer Sektflasche zu verhalten, die man lange genug geschüttelt hat. „Wenn’s läuft, dann läuft’s“, sagt sie selber. Schnell war sie nämlich schon immer mit dem Board unterwegs – aber selbst an guten Tagen war mindestens eine Rivalin schneller. Oder noch schlimmer: Jörg musste sich mit dem Platz neben dem Podium zufrieden geben. „Immer diese vierten Plätze“, hatte sie nicht nur nach Olympia 2010 gehadert. Und mit Blick auf ihre Freundinnen im Team, von Amelie Kober (Silber 2006, Bronze 2014) bis Anke Wöhrer (Silber 2014), fiel das Warten auf den Durchbruch zunehmend schwer. „Vorher, das war schon gut“, so Jörg über ihre eigene Ausbeute in diesen Jahren, „aber es haben halt die Ausreißer nach oben gefehlt. Es hat schon an mir genagt, zu wissen: Ich bin die einzige ohne Medaille.“

Und jetzt: Räumt sie plötzlich selber groß ab, obwohl sie im Prinzip wenig geändert, sich nur im Sommer mit Crossfit für die Ü 30-Zeit gerüstet hat. „Ich muss echt sagen: Seit ich 30 bin, läuft’s. Zum Ende hin hab ich einen richtigen Run bekommen.“ Ihr Entschluss, die Karriere fortzusetzen, stand allerdings schon vorher fest. Ein Wirtschaftspsychologie-Studium sichert sie für die Zukunft ab, doch die Zeit in Büros und Meetings soll frühestens 2019 beginnen: „Es macht mir noch so viel Spaß, mit dem Team zu reisen. Tagtäglich passieren so coole Sachen. Die WM nächstes Jahr in Park City nehme ich noch mit.“

Olympia 2022 dagegen tut sie sich nicht mehr an: „Definitiv nicht.“ Nichts dagegen hätte sie allerdings, den guten Lauf bis zur WM auszuweiten und sich noch einmal so feiern zu lassen wie nach Korea: „3000 Leute bei minus 15 Grad, jeder mit Deutschland-Flagge – dazu ein Megafeuerwerk. Gigantisch!“ Momente, die bleiben wie Medaillen. Im Urlaub dahoam hat sie nun Zeit, das alles noch mal ausgiebig nachwirken zu lassen.

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