München – Der Besuch unter alten Bekannten war eigentlich erst im Mai eingeplant. Zu Mithat Demirels 40. Geburtstag soll auch Marko Pesic einschweben. Doch nun führen die sportlichen Realitäten Demirel schon ein wenig früher mit seinem alten Mitstreiter aus den Tagen bei Alba Berlin zusammen.
Am heutigen Dienstag (18.45 Uhr) muss Pesic mit seinen Basketballern des FC Bayern im ersten Eurocup-Halbfinale bei Darüssafaka Istanbul ran. Beim türkischen Spitzenklub hat Mithat Demirel als General Manager das Sagen. Rund drei Jahre ist es her seit ihn der im Basketball schwer engagierte Großkonzern Dogus verpflichtete und damit beauftragte, den Verein zu einer echten europäischen Hausnummer zu formen.
Die Sache ist ihm ganz gut gelungen. Im Vorjahr marschierte Darüssafaka in der Euroleague bis ins Viertelfinale. Gegen Real Madrid war erst nach vier heißen Duellen Schluss. Doch das war nicht genug um die Königsklasse zu einer weiteren Einladung an den Verein zu bewegen.
Passenderweise weitete Dogus sein Investment nun auch auf den Lokalrivalen und Euroleague-Titelverteidiger Fenerbahce aus. Was herauskam, könnte man als eine Art firmeninterne Arbeitsteilung sehen. Mit Fenerbahce war man in der Königsklasse vertreten, mit Darüssafaka im kleineren Eurocup. Wobei Mithat Demirel nun ganz im Sinne seines Arbeitgebers handelte. Der Etat seines Stammvereins wurde von ihm bewusst auf ein Drittel des bisherigen Umfangs gekappt. Bei den, an den Fußball angelehnten Nachbarn hätte das wohl für einigen Wirbel gesorgt. Nicht bei Darüssafaka. Auch das gehört zur Identität des Vereins, der aus Istanbuls ältester Waisenschule hervorging, mit der er auch heute noch eng verknüpft ist. Die Atmosphäre ist unaufgeregt-entspannt, man kann das auch bei den Spielen in der neuen VW Arena sehen. Auch das Publikum hat nichts mit dem Fanatismus zu tun, den die Bayern nicht zuletzt in der Vorrunde bei Galatasaray erlebt haben. „Das ist schon sehr familiär“, sagt auch Demirel.
Der gebürtige Berliner mit den türkischen Wurzeln und der israelisch-amerikanische Starcoach David Blatt stellten die Schalter auf Neuaufbau. Stars wie der frühere Bundesliga-MVP Brad Wanamaker wurden ganz gezielt an den neuen Dogus-Klub Fenerbahce weitergereicht, der Ersatz für den in die NBA abgewanderten Bogdan Bogdanovic benötigte. Die Darüssafaka-Mannschaft wurde runderneuert. „Wir haben gerade auf den türkischen Positionen, zum Teil aber auch auf den ausländischen vor allem jüngere Spieler geholt, bei denen wir eine Perspektive sehen“, sagt Demirel. Es ist ein Jahr des Übergangs, früher oder später soll der Weg so in die Euroleague zurückführen.
Der Erfolg überraschte die Macher selbst. In der heimischen Süper Ligi ist man zumindest im Dunstkreis der Spitze. Im Eurocup marschierte Darüssafaka mit der zweitbesten Bilanz aller Teams geradewegs ins Halbfinale. Wie die Bayern ließ man auf dem langen Weg dorthin nur drei Spiele liegen. Wehren würde man sich gegen eine Fortsetzung der Europareise natürlich nicht, so Demirel, „wenn man soweit gekommen ist, will man schon ganz gerne auch noch den letzten Schritt machen.“
Der Sieger des Eurocup darf im nächsten Jahr in der Königsklasse mitmachen. Die Gerüchte halten sich, dass auch der Finalist hoffen darf. Womit die große Bühne vor dem, in so einer kurzen Serie (best of 3) schon vorentscheidenden ersten Halbfinale, also schon ganz nahe ist. Die von der Euroleague aufgrund ihrer Markenkraft stark umschmeichelten Bayern sind der letzte Stolperstein.
Wobei gar nicht so sicher ist, dass Mithat Demirel mit Darüssafaka in der Königsklasse dauerhaft mit von der Partie wäre. Sein Arbeitgeber Dogus hat in Basketball-Europa andere Pläne. Gefeilt wird am Ausbau eines Spitzenteams in London. Der Erfolgsmanager ist für die Sache gerüstet. Sein achtjähriger Sohn besucht in Istanbul eine britische Schule.