München – Die Viertelfinal-Serie setzt dem EHC München mehr zu, als er gedacht hatte. Zwar geht der Meister der Jahre 2016 und 17 mit einer 2:1-Führung ins heutige (19.30 Uhr) vierte Spiel, nun wieder in Bremerhaven, doch das bisherige Auftreten der Fischtown Pinguins hat Eindruck hinterlassen. „Ein Top-Team“ nannte EHC-Trainer Don Jackson das, was sein Kollege Thomas Popiesch aufs Eis bringt. Zuletzt am Sonntag in München, als die Norddeutschen nach einer halben Stunde 2:0 führten und den EHC in den Abgrund blicken ließen.
Den Weckruf erteilte Frank Mauer, der schnelle Stürmer, mit seinem Tor zum 1:2 – kurz zuvor war München noch in Unterzahl und in akuter Gefahr gewesen, ein drittes Gegentor zu kassieren. Es war Mauers drittes Tor in den diesjährigen Playoffs, das vierte ließ er mit dem 3:2 folgen. Er nährte den Traum der Fans in der Nordkurve, den sie in eine Choreografie verpackten. Grammatikalisch nicht ganz korrekt forderten sie „Alle guten Dinge sind 3“. Der EHC soll die dritte Deutsche Meisterschaft in Folge einfahren.
Für Frank Mauer wäre es die vierte am Stück. Denn 2015 kam er als Meisterspieler der Adler Mannheim nach München. Und mit dem perfekten Image: Er spielte, obwohl ihm die Kniescheibe herausgesprungen war. Wie es im Eishockey üblich ist: Details zu der Verletzung publizierte der Verein nicht, solange die Serie lief. Man sah nur, wie der Stürmer Frank Mauer leidend vom Eis geführt wurde – und in der nächsten Partie zurückkehrte, als wäre er bei bester Gesundheit. Nur im letzten Finalmatch in Ingolstadt ging es nicht mehr, es wäre unverantwortlich gewesen.
Für einen Wechsel zum EHC München hatte sich Frank Mauer damals bereits entschieden. Er stammt aus Heidelberg, er hatte immer in Mannheim und bei dessen Kooperationspartner Heilbronn gespielt. Zeit für was Neues.
In seiner ersten Saison in München (2015/16) verpasste Mauer 36 Hauptrundenspiele – eine neue Verletzung. Zu den Playoffs war er in Bestform. Ähnlich lief 2016/17. Wieder eine längere Pause während der „regular season“ (22 Mal absent), in den Playoffs dann aber eine feste Größe. Das aktuelle Spieljahr ist Mauers fruchtbarstes. Er hat nur in den letzten drei Vorrundenspielen gefehlt, in denen der EHC München auf seine Olympia-Teilnehmer verzichtete.
Olympia – dass er dabei war, hat Frank Mauer einen Schub gegeben. Sein Talent war ja immer anerkannt, doch ihm hing auch der Ruf nach, nicht der Defensivarbeiter vor dem Herrn zu sein. Oft ging er mit einer negativen Plus-Minus-Bilanz aus der Saison, obwohl er stets in gut besetzten Teams spielte. In den (für Mannheim kurzen) Playoffs 2014 saß er meist auf der Bank, die WM 2014 war bis zu Olympia 2018 sein letztes Turnier mit der Nationalmannschaft.
Er leuchtete, als er die Berufung für Pyeongchang erhielt. „Ich hatte ja nicht so das Standing im Nationalteam“, sagte er. Bundestrainer Marco Sturm hatte 2017 geäußert: „Den Franky kenne ich gar nicht so genau.“
Das Olympia-Turnier begann für Mauer auch noch unerfreulich. Beim Auftaktspiel gegen Finnland (2:5) gehörte er zu den drei Spielern, die nicht für die 22er-Mannschaft berücksichtigt wurden. Er kam rein gegen Schweden (0:1) – zum Spiel, „bei dem wir gemerkt haben, dass was geht“. Als er dann im Halbfinale gegen Kanada megacool ein Tor erzielte mit dem Schläger zwischen den Beinen, riefen die Kommentatoren „Weltklasse“. Mauer sagte: „Ich hatte das schon länger in der Trickkiste, es musste aber auch passen.“
Für ihre olympische Performance haben sich die sieben beteiligten EHC-Spieler abfeiern lassen. „Jetzt aber reden wir nicht mehr darüber, jetzt sind Playoffs“, zeigt sich Yannic Seidenberg, ihr Anführer, geerdet. Er hat gemerkt, „dass wir in den Playoffs in eine Situation gekommen sind, in der wir der Favorit sind – und Bremerhaven der Außenseiter wie wir in Südkorea“. Das soll vorläufig seine letzte Bemerkung zu Pyeongchang gewesen sein.
Es ist wieder Alltag. Man spürt die Last. Man spürt die Spiele. Sogar der leichtfüßige Frank Mauer. Er hat sich nach dem 5:2 gegen Bremerhaven eine halbe Stunde – viel länger als sonst – zum Physiotherapeuten begeben.