Istanbul – So ein Basketballspiel besteht für gewöhnlich aus 2400 Sekunden. Die Wichtigste freilich ist die Letzte. Und so nutzte es den Basketballern des FC Bayern auch herzlich wenig, dass sie in nahezu allen Sekunden dieses abends in der Istanbuler Arena in Führung gelegen hatten. Weil der Ball in dieser letzten halt doch irgendwie zu Stanton Kidd kam. Der US-Boy in Diensten von Darüssafaka Istanbul, eigentlich nicht als Distanzschütze bekannt, stieg an der Dreierlinie hoch, warf, und noch ehe die Sirene ertönte, rauschte das Spielgerät durch die Reuse. Aus dem greifbar nahen 74:73 war für die Bayern eine 74:76 (47:30) -Niederlage geworden.
0:1 also in der Serie nach dem Modus best of three. Statt nach dem Finale zu greifen, stehen die Münchner beim Wiedersehen am Freitag (20 Uhr) in eigener Halle schon mit dem Rücken zur Wand. Trainer Sasa Djordjevic hatte nach getaner Arbeit keine Erklärung. „Nach manchen Spielen kann man nicht recht erklären, was passiert ist, wie bei uns in der zweiten Halbzeit“, sagte er.
Dabei hatten seine Profis, darunter auch der, nach seinem Nasenbeinbruch mit Maske auflaufende Danilo Barthel, an diesem Abend doch so lange alles richtig gemacht Hatten die merklich nervösen Gastgeber mit bemerkenswert kühlem Teambasketball unter Druck gesetzt. Der Ball kreiselte munter und egal wohin er auch kreiselte – am Ende flutschte er fast immer in den Istanbuler Korb. Phasenweise legten die Münchner so 23 Punkte zwischen sich und die schwer verdutzten Gastgeber. Mit dem 47:30 zur Pausensirene waren die Bayern sogar noch gnädig.
Als Djordjevic in die Kabine ging, ahnte er schon, dass sich die Realitäten nach dem Wechsel ändern würden. „Sie werden eine Reaktion zeigen“, kündigte der Bayern-Coach an. Darauf wird er sein Team auch eingeschworen haben. Und doch waren die Münchner beeindruckt von der Lawine, die plötzlich über sie hereinbrach. Vor allem Spielmacher Scottie Wilbekin zeigte nun, warum Darüssafaka beim Generalumbau für diese Saison gerade ihn als Leitwolf an Bord halten wollte. Der 24-Jährige gab feine Pässe (7) und er vollstreckte. Weil ihm die Bayern meist nur mit Fouls beizukommen wussten (8), sammelte er allerdings alleine elf seiner 24 Punkte an der Freiwurflinie.
Dass Center Devin Booker nach seinem dritten Foul lange draußen bleiben musste, machte die Sache für die Bayern nicht einfacher – sein eher schwerfälliger Vertreter Maik Zirbes tat sich gegen die Athletik von Widersachern wie Michael Eric schwer.
Immerhin, und das wird die Bayern-Macher für Spiel zwei hoffen lassen, die Münchner fanden ihre Mittel, um Darüssafakas Schwung zu bremsen. Vor allem der so vielseitige Reggie Redding (15 Punkte/7 Rebounds) gab die Impulse. Es hatte eine gewisse Ironie, dass knapp zwölf Sekunden vor dem Ende ausgerechnet ihm der letztlich match-entscheidende Schnitzer unterlief. Statt die Sekunden von der Uhr zu dribbeln, gab er den Ball aus der Hand. Darüssafaka sollte also doch noch einen letzten Angriff bekommen. Und der führte zu Kidds folgenschwerem Dreier.
Nicht zuletzt Bayern Trainer Sasa Djordjevic, machte die unglückliche Niederlage auch. Er ging in die Nacht am Bosporus mit einer Kampfansage: „Es liegt an uns, zu reagieren“, sagte er, „Wir kommen noch einmal nach Istanbul zurück.“