München – Es ist kein leichtes Unterfangen, denn anders als die Nationaltrainer müssen sich die Produzenten des Panini Albums immer bereits Anfang Februar ultimativ festlegen, welcher Fußballer zu einer WM oder EM fährt – und welcher zuhause bleiben muss. Es ist ein Orakel, das hängen bleibt, denn auch die falschen Kandidaten kleben schließlich am Ende bis in alle Ewigkeit fest auf der Seite. Die Fehlerquote ist allerdings recht gering, so der Verlag. Sie liegt bei zwölf Prozent.
Das Album und die Sticker (jeweils fünf Bilder pro Tüte) kommen am 27. März in Deutschland in den Verkauf. Nun gab Panini bereits seine Prognose für die WM in Russland bekannt. Der deutsche Kader scheint vernünftig zusammengestellt. 18 Spieler
Sechs Bayern „nominiert“
pro Team, so hat man Spielraum. In der Realität fahren je 23 Mann zu einem Großereignis, das Bilderorakel kann also ein paar Wackelkandidaten als Manövriermasse ignorieren. Sicherheitshalber verzichtete man heuer zum Beispiel auf die verletzungsanfälligen Ilkay Gündogan oder Marco Reus. Bei den Torhütern legte man sich trotz aller Bedenken auf den Dauerpatienten Manuel Neuer fest. In der Sturmfrage enthielt man sich eines Votums, weder Mario Gomez noch Sandro Wagner wurden gedruckt. Sechs Spieler des FC Bayern sind gesetzt, darunter auch Sebastian Rudy, obwohl er in München kaum noch punktet. Bei der EM in Frankreich vor zwei Jahren fanden 88 Spieler Platz, die letztlich doch nicht nominiert wurden. Bei 26 waren späte Verletzungen der Grund. Der Verlag druckt inzwischen Ersatzleute nach.
„Die Kader werden jedes Mal im Hauptsitz unserer Firma in Modena/Italien nominiert“, erklärt Paninis Marketing-Manager Andreas Danner unserer Zeitung. Der Prozess starte bereits unmittelbar nach dem Ende des vorangegangenen Turniers. Über Jahre werten Redakteure die Statistiken der Spielereinsätze von über 50 Nationen aus. Gespräche mit lokalen Experten und Journalisten gehören zur Tagesordnung, und im Februar wird dann „regelrecht nominiert“, sagt Danner. Gerade bei der deutschen Auswahl sei es heuer sehr schwer gewesen: „Es gab ja die Confed Cup-Sieger und zudem die altvertrauten Gesichter.“ Joachim Löw hat noch Zeit. Der Bundestrainer gibt seinen vorläufigen Kader am 15. Mai bekannt, endgültig festlegen muss er sich wie alle seine Trainer-Kollegen erst am 4. Juni. „Da haben wir es mit unseren Druckzeiten deutlich schwerer“, meint Danner.
Gemessen am Pro-Kopf-Verkauf ist kurioserweise übrigens Österreich der beste Abnehmer der Alben, obwohl Austrias Nationalteam bei den Großereignissen wie WM oder EM nicht so regelmäßig vertreten ist, erzählt Danner. Der deutsche Markt belegt im Verkauf international aber
Österreich sorgt für den größten Absatz
auch eine absolute Spitzenposition. 1961 waren die Brüder Panini mit einem italienischen Zeitungskiosk gestartet, seit 1970 erscheinen die Alben. Die größten Verkaufshits waren die Ausgaben der WM 2006 und WM 2014. Die Faszination der gedruckten Alben verliert sich auch in digitalen Zeiten nicht – obwohl das Konzept kaum verändert wurde. Im Grunde sei es noch das gleiche Produkt wie in den 60ern, sagt Redaktionsleiter Fabrizio Melegari. „Die Spannung, ob ich in meiner Tüte Thomas Müller finde, der Geruch frisch gedruckten Papiers, das Aufreißen der Päckchen – alles spricht auch die Menschen von heute an.“
Die Aufgabe, sämtliche Kader vorherzusagen, sei „die schwierigste der Welt“, meint Melegari. Das ist etwas überdramatisch, aber so empfindet der Mann nunmal. Wenn sie ganz ehrlich sind, sind die Stickerproduzenten gar nicht so traurig, dass Italien das erste Mal seit 60 Jahren nicht dabei ist. Heimatliebe hin oder her. „Italien ist das Land der Mysterien“ so Melgari, „auch die Zusammenstellung des Kaders wäre bis zum letzten Moment ein Rätsel gewesen.“