Regionalliga-Derby: Rote Rolle rückwärts

von Redaktion

FC Bayern II weicht doch nicht in die Arena aus, sondern bleibt in Giesing – 1860-Bosse verwundert, beide aktiven Fanlager zufrieden

München – Pagenburg senst Klose um. Es gibt Elfmeter, obwohl das Foul kurz vor der Strafraumgrenze war. Ribery ist’s egal. Sein erster Schuss sitzt, sein zweiter auch, nachdem Gagelmann die Ausführung wiederholen ließ. Gegen am Ende neun Löwen setzt sich Bayern in der 120. Minute eines Pokalkrimis durch. Zehn Jahre ist das jetzt her. Genauer: Zehn Jahre und 23 Tage. Seitdem ist die Allianz Arena sozusagen derbyfrei.

Das zu ändern, war offenbar die Absicht der Roten, deren Führung Anfang März beschloss, das Ersatzderby – also jedes zwischen Bayern II und dem TSV 1860 – in die Allianz Arena zu verlegen. Ein Spiel, das nicht nur eine große Kulisse, sondern auch eine große Kasse erwarten lässt. Das Regionalliga-Duell am 29. April kann schließlich auch noch über die Meisterschaftsfrage entscheiden. Gestern jedoch hieß es plötzlich: Kommando zurück. Die Bayern gaben bekannt, jetzt doch im Grünwalder Stadion bleiben zu wollen, der gewohnten Spielstätte ihres ältesten Nachwuchskaders.

Als Begründung für die überraschende Rolle rückwärts gaben die Bayern einen intensivierten Austausch mit ihrer Fanbasis an. Nach einem Treffen der Klubführung mit Vertretern der Ultra-Szene sagte Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge: „Es war unseren Fans sehr wichtig, dass wir das Rückspiel an gleicher Stätte des siegreichen Hinspiels veranstalten. Das haben wir akzeptiert.“ Die Führung des FCB sei grundsätzlich immer „dialogbereit“. Auch Uli Hoeneß hatte an dem Treffen teilgenommen.

Im Löwen-Lager wurde die Nachricht nüchtern bis kühl aufgenommen. „Das ist ein Heimspiel der Bayern“, stellte Präsident Robert Reisinger korrekt fest: „Wir nehmen es, wie es kommt.“ Geschäftsführer Michael Scharold brachte seine „Verwunderung“ über die Kehrtwende zum Ausdruck und fügte hinzu, dass er „den Weg zu dieser Entscheidung als äußerst unglücklich“ empfand. Ein Umzug in die Arena hätte den Vorteil gehabt, dass das Gästekontingent üppiger ausgefallen wäre: 4750 Tickets wären für die Löwen abgefallen. In Giesing werden es 1134 sein. 12 500 sind bekanntlich nur zugelassen. Ein munteres Gefeilsche und Getrickse und Getrickse auf dem Ticketmarkt dürfte unausweichlich sein

Trotzdem sind ausnahmsweise beide aktiven Fanlager zufrieden gestellt. „Wir begrüßen diese Entscheidung außerordentlich und sind darüber sehr erleichtert“, teilte Club Nr. 12 mit. Ähnlich hört sich das bei den 1860-Ultras an. Bleibt zu hoffen, dass es auch am Spieltag so harmonisch zugeht. uli kellner

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