München – Sie hätten in ihrer deutschen Wahlheimat quasi ein Heimspiel gehabt, doch Spaniens Nationaltrainer Julen Lopetegui verzichtete auf die beiden Bayern Javi Martinez und Juan Bernat. Thiago reiste zwar zum Treff der Iberer an, allerdings zeigte er umgehend ein ärztliches Begleitschreiben vor; Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt bittet darum, dass der angeschlagene Mittelfeldmann wenn überhaupt erst im zweiten Länderspiel in der nächsten Woche eingesetzt wird. Die Münchner Komponente beim Duell mit Deutschland in Düsseldorf ist heute Abend auf spanischer Seite eine glatte Null.
Bei Bernat ist die Nichtberücksichtigung keine Überraschung. Letztmals lief er 2015 gegen Mazedonien für sein Land auf, seitdem stagniert er bei sieben Einsätzen. In München hat er den Anschluss verloren, es deutet alles auf eine Trennung im Sommer hin. Bernats Vertrag läuft noch bis 2019, doch er möchte Spielpraxis und die Verein wenigstens einen Teil der zehn Millionen Euro, die er 2014 für ihn an den FC Valencia überwiesen hat, wieder zurückholen. Als Ersatz ist der deutsche Nationalspieler Jonas Hector im Gespräch, wobei es überraschend wäre, wenn er sich für die Bayern entscheiden würde, wo David Alaba gesetzt ist.
Im Gegensatz zu Bernat ist Martinez schon verwundert, warum er keine Einladung für die Spiele auf der Zielgeraden der WM bekommen hat. Viele Leute seien überrascht gewesen, sagte der 29-Jährige nun gegenüber „ESPN“, ihn hätten viele Anrufe erreicht mit der Frage: Warum fehlst du?
Er habe keine Antwort geben können, so der Defensivallrounder. Lopetegui habe ihn nie kontaktiert „oder irgendetwas darüber gesagt“. Ein wenig Mut machte der Nationaltrainer ihm dann gestern aber doch noch. „Er war schon öfter bei uns und hat noch alle Möglichkeiten“, sagte Lopetegui in Düsseldorf. Seinen Traum von der WM in Russland gibt Martinez freilich nicht auf: „Ich weiß, dass es sehr schwierig ist, ins Nationalteam zu kommen. Es gibt so viele gute Spieler dort. Aber ich habe hart gearbeitet – und ich werde weitermachen. Ich gebe nicht auf und gebe 100 Prozent, um mein Ziel zu erreichen.“ Sollte es nicht klappen, „ist das nicht das Ende meiner Karriere“.
Martinez ist 2010 mit Spanien Weltmeister geworden, war ebenso 2012 beim EM-Triumph dabei und stand auch 2014 im WM-Kader. Lediglich die EM in Frankreich vor zwei Jahren verpasste er wegen einer Verletzung. Zwischendurch drohte ihm, ganz aus dem Tritt zu kommen. Als aber Jupp Heynckes in München wieder das Kommando übernahm, schaffte er endgültig die Wende zum Guten. Er war 2012 der Wunschspieler des Trainers, die Bayern zahlten damals die Rekordsumme von 40 Millionen Euro. Unter seinem alten Mentor erreichte er seine Stärke von einst. Nur scheint das zuhause in Spanien keiner zu merken.
Martinez ist in Zeiten überteuerter Transfers der Gegenentwurf des Söldners geworden. Auch er war kostspielig, aber sein Transfer rentierte sich. Längst ist er als Münchner etabliert. Zuletzt dokumentierte er das mit einem Video, bei dem ihn der Comedian Harry G eines Bayerisch-Tests unterzieht. Er besteht letztlich, weil er Insiderwissen rund um das Oktoberfest beweist. Ins Bild passt zudem, dass Martinez letzte Woche Enrique Iglesias während eines Konzerts in der Olympiahalle auf der Bühne ein Bayern-Trikot überreichte. Der Sänger streifte es sofort über, packte sich seinen Landsmann und rief ins Mikrofon: „Wir sind beide Spanier – und wir lieben München!“ Das ist derzeit auch ein bisschen Martinez’ Schicksal: Nur auf Bayerns Bühnen ein Star. Fern von Spanien, und selbst Düsseldorf ist heute Abend fern.