Neue Dimensionen der Sportwerbung

Debüt der Hymnenjacke

von Redaktion

Beim Länderspiel heute Abend mal aufpassen. Wenn die Hymne gespielt wird. Es geht ausnahmsweise nicht darum, wer sie mitsingt bei den Deutschen (die spanische ist eh ein Instrumental), sondern: Was haben sie an? Einer Mitteilung des DFB-Hauptsponsors zufolge trägt jeder deutsche Spieler eine „Hymnenjacke“.

Das kommt natürlich wieder aus dem US-Sport, dort spricht man vom „anthem jacket“. Bei uns sagte man früher: Trainingsjacke. Doch in modernen Zeiten klingt das zu banal. Und bei der Hymnenjacke geht es nicht um die Funktion der Kleidung als möglicher Schutz vor Kälte, sondern darum, eine weitere Werbefläche zu schaffen.

Der Sport findet tatsächlich immer neue Wege, noch irgendwo eine Marketing-Botschaft zu platzieren. Der Trend ist: mehr anzuziehen – oder die Kleidung häufiger zu wechseln.

Im Eishockey, wo die Spieler eh schon litfasssäulenmäßig daherkommen, gibt es eigene Warmlauftrikots. Wenn die Teams sich vorbereiten aufs Match, schauen nur die allerinteressiertesten Fans zu, das Fernsehen ist nicht auf Sendung – und die Zeitungen drucken ein Foto nur ab, wenn das Warm-Up-Trikot besonders auffällig ist wie bei den Fischtown Pinguins aus Bremerhaven: nämlich rosa. Ein paar Euro scheint’s dennoch zu bringen.

Gut, sei’s dem Eishockey gegönnt. Schließlich täte sich der Profi schwer, müsste er noch eine eigene Walk-In-Kollektion oder ein Starting-Six-Presentation-Costume über die Ausrüstung ziehen. Da hat er nicht diese Möglichkeiten wie der Fußballer. Ihre Berechtigung haben die Zusatzklamotten zumindest im Profiboxen: Ist ja nicht zuzumuten, dass ein Kämpfer auf dem Weg von der Kabine zum Ring seinen nackten Oberkörper auskühlen lässt – daher ist das Tragen eines Bademantels legitim. Und weil bei jedem Rummelkampf irgendein Interkontinentaltitel vergeben wird und Musiker und Fahnenträger aufmarschieren, wird der Einlaufmantel auch gleich noch zum Hymnenmantel.

Wir warten nun auf die weitere Entwicklung in der Bemantelung des Fußballs. Manche Spieler schlüpfen ja, wenn sie nach der Partie ein Spielfeldrandinterview geben, in einen Anorak, den ihnen der Pressesprecher des Teams hinhält. Ein schnöder Anorak – so kann das nicht bleiben. Am Post-Match-Coat oder Flash-Interview-Shirt führt kein Weg vorbei.

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