Düsseldorf – Joachim Löw hat den spanischen Fußball immer bewundert. Und ihn verteidigt, auch wenn die Ergebnisse mal nicht stimmten. Wie bei der WM 2014. Vorrunden-Aus. „Kann passieren.“
Nun seien die Spanier aber wieder on top. Makellos seit der EM 2016 (wo sie im Achtelfinale, noch so ein Ergebnis-Aussetzer, an Italien scheiterten). „Sie sind glatt durch die WM-Qualifikation gegangen, haben kein Spiel verloren.“ Plakativer als der deutsche Bundestrainer könnte es keine Werbeagentur ausdrücken: „Die ersten elf, zwölf, dreizehn Spieler kommen von Barcelona, Real und Atletico Madrid“, sagt Löw, und die spanische Auswahlmannschaft bringe das Beste und Markanteste aus den Spitzenteams zusammen: „Von Atletico das aggressive Pressing, von Real die Dynamik und das schnelle Umschaltspiel, von Barcelona Ballsicherheit und Ballbesitzspiel.“
Toni Kroos hat die Passage mitgehört, er findet sie in einem Punkt amüsant: „Real soll für Explosivität stehen. Also ich eher nicht.“ Er ist im nunmehr vierten Jahr die Eminenz im Mittelfeld, die es versteht, eine Mannschaft auf unscheinbare eigene Art besser zu machen – so formulieren es die Kenner. Schneller, wuchtiger, spektakulärer sind andere.
Deutschland trifft heute (20.45 Uhr, ARD) in einem Testspiel auf Spanien, das Stadion in Düsseldorf ist ausverkauft – eine solche Begegnung will man sehen, auch wenn Joachim Löw einschränkt, „dass beide Mannschaften sicher nicht ihre Karten offen auf den Tisch legen werden“. Man könnte sich ja bei der WM in Russland treffen, „da wäre das eine eigene Geschichte“. Vorerst ist es einfach ein Test „gegen eine Topnation“ – an der sich Deutschland lange orientieren musste. Im EM-Finale 2008, im WM-Halbfinale 2010 kam man an Spanien nicht vorbei, das auch noch den Europa-Titel 2012 folgen ließ.
Die deutsche Nationalmannschaft ist 2014 an der spanischen vorbeigezogen und vor ihr geblieben – im Vereinsfußball spiegelt sich dieses Kräfteverhältnis nicht wieder. „Die Spanier sind mit mehreren Klubs in der Champions League dabei, und in der Regel gewinnen sie die Europa League“, sagt Löw.
Die Bundesliga-Vereine können international nicht so punkten, eigentlich ist es nur der FC Bayern, der in Sphären vordringt wie die Spanier – allerdings seit 2014 mit der Historie belastet ist, dass er immer gegen einen Klub aus La Liga ausschied. Unter den Spielern von Real, verrät Toni Kroos, werde schon über die Bayern gesprochen, „dass sie halt wieder der letzte Überlebende sind“, doch sonst sei die Bundesliga überhaupt kein Thema im Mannschaftskreis. Kroos: „Ich brauche nicht zu fragen, ob jemand am Samstag um 15.30 Uhr die Konferenz gesehen hat.“ Dabei haben die Spanier „eine Menge Respekt vor dem deutschen Fußball“. Doch eben mehr vor der Auswahlmannschaft.
Da diese am kommenden Dienstag mit Brasilien in Berlin einen weiteren Top-Testspielgegner hat, will Trainer Löw die Breite seines Kaders ausnutzen und keinesfalls zweimal die gleiche Elf aufbieten. Einen Tick ernsthafter geht er vielleicht an die erste Aufgabe Spanien heran, dafür kündigt er an, dass die Mannschaft von ihrem Stammspieler-Gerüst (Ter Stegen, Hummels, Boateng, Özil, Kroos, Müller) getragen werde.
„Einen Titel zu verteidigen – das wäre eine noch unmenschlichere Leistung“, spricht Joachim Löw das Ziel für den Sommer 2018 aus. Er hat vor Augen, was für Teams sich an einem solchen Vorhaben verhoben haben: „Brasilien nach 2002, Italien nach 2006, Spanien nach 2010. Turniere haben immer eine eigene Wahrheit.“
Jogi Löw will alles richtig machen. „Als Mannschaft“, erklärt er, „werden wir gegenüber 2014 noch eine Steigerung brauchen“.