München – Als Danilo Barthel Mittwochnachmittag zum Regenerationstraining in den Audi Dome schlappte, war von seinem Malheur schon nicht mehr viel zu sehen. Ein paar Pflaster zierten seine Nase, die am Wochenende bei der Bundesliga-Partie der Basketballer des FC Bayern in Braunschweig so schwer in Mitleidenschaft geraten war. Alles halb so wild. Überhaupt: Was in der Sache am meisten schmerzte, war die Schadenfreude seiner Freundin. „Sie hat mich ausgelacht, wie ich aussehe.“
Ernsthafte Zweifel, dass es nicht klappen könnte mit den Eurocup-Halbfinalspielen gegen Darüssafaka Istanbul hatte Barthel nie. Natürlich ist der 26-Jährige auch im heutigen zweiten Duell an Bord (20 Uhr), wenn der FC Bayern vor heimischer Kulisse unbedingt den vorzeitigen K.o. in Europa abwenden will. Zur Sicherheit wird Barthel wieder die Maske tragen, die ihn schon beim Auftakt am Dienstag zierte.
Sechs Wochen mit Maske
Das ist auch eine Frage der Gewöhnung. Ob es sein Spiel beeinträchtigt – selbst sein Trainer Sasa Djordjevic ist sich da nicht sicher. „Dein Blickfeld ist schon beeinträchtigt“, sagte er, „die meisten, die so eine Maske getragen haben, werfen sie nach drei Tagen wieder in die Ecke.“ Barthel selbst will davon nichts wissen. „Es gibt natürlich Angenehmeres als das, aber sie wird mich jetzt wohl sechs Wochen begleiten“, erklärte er, „aber das ist kein Problem, ich kann ganz normal spielen.“
Wobei das in der Tat wohl lange Zeit nicht wirklich sicher war. Und dies vielleicht noch gar nicht einmal aus medizinischen Gründen. Die lädierte Nase wurde am Sonntag unter lokaler Betäubung gerichtet. Doch die Maske beizubringen, das wurde zum fast schon generalstabsmäßigen Unternehmen. Ein Gipsabdruck musste genommen, die Maske gefertigt werden. Im Normalfall ist das ein Prozess, der drei Tage in Anspruch nimmt. Doch Dinge bekommen manchmal eine andere Dynamik, wenn ein Verein wie der FC Bayern nachfragt. Das beteiligte Sanitätshaus legte eine Nachtschicht ein und so konnte Barthel, als er am Montag das Taxi in Richtung Flughafen bestieg, im Vorbeifahren sein neues Arbeitsgerät gleich mitnehmen.
Für seinen Klub war das Gelingen des Unternehmens schon eine nicht ganz unwesentliche Geschichte. Barthel ist im bisherigen Saisonverlauf aus dem Kreis der deutschen Spieler im Kader die verlässlichste Größe. Der 2,08 Meter lange Fleißarbeiter bewegte sich über die gesamte Saison auf bemerkenswert hohem Niveau. Barthel steht aber auch für einen Bereich des Spiels, in dem die Münchner am dünnsten besetzt sind. Nach dem langfristigen Ausfall von Milan Macvan (Kreuzbandriss) haben die Bayern auf den sogenannten großen Positionen mit Devin Booker, Maik Zirbes und eben Barthel nur noch drei ausgemachte Spezialisten. Man ahnt: Der Ausfall des früheren Frankfurters würde Trainer Sasa Djordjevic einiges Kopfzerbrechen bereiten.
Wie dünn die Luft werden kann, hat der Serbe auch im ersten Spiel in Istanbul zu spüren bekommen. Devin Booker, der sich lange aufgerieben hatte, fing sich zu Beginn der zweiten Halbzeit sein drittes Foul ein. Djordjevic musste ihn schonen, weil ihm ein erholter US-Center ohne Foulproblem in der Schlussphase wichtiger erschien. Mangels Alternative musste der 50-Jährige länger als geplant Maik Zirbes das Vertrauen schenken. Der deutsche National-Center bewies in den letzten Wochen zwar deutlich aufsteigende Tendenz. Doch gegen seine athletischen Istanbuler Gegenspieler stand der vergleichsweise schwerfällige Zirbes in der Defensive auf verlorenem Posten. Der Nigerianer Michael Eric brachte es nach dem Votum der Euroleague nicht ganz zufällig zum wertvollsten Spieler des Abends.
Doch das sind Dinge, mit denen man sich bei den Bayern lieber nicht mehr befassen will. Auch Danilo Barthel nicht. „Jeder kann davon ausgehen, dass wir nicht zurückblicken, sondern uns volle Kanne auf das zweite Spiel konzentrieren werden“, sagte er. Na dann.