München – Passend zum Motto des Turniers hat sich der Winter noch mal zurückgemeldet. Seit vor zwei Jahren die BMW Open im Schneetreiben begannen, nehmen die Macher mit einer ordentlichen Portion Ironie für sich in Anspruch, „das härteste Sandplatzturnier der Welt“ auszurichten. Die Bilder von Erstrundenmatches im Flockenwirbel gingen 2016 um die Welt. Weil es zuletzt ganz ähnlich aussah, lassen die Platzwarte beim MTTC Iphitos den Betrieb ruhen. Bei Schnee und Minusgraden macht es keinen Sinn, die Sandplätze herzurichten.
„Zumindest sind sie schon schön fest“, fällt Michael Mronz dazu ein. Der Veranstalter des ATP-Turniers klingt wenig beunruhigt. Selbst in Zeiten, wo jeder vom Klimawandel spricht, ist Schnee für ihn kein kritischer Faktor. Das war schon 2016 so, als die Temperaturen bald anstiegen (und fortan eher die ergiebigen Regenfälle das Problem waren), und ist heute nicht anders. Bis zum ersten Aufschlag am Aumeister (28. April) sind es noch sechs Wochen. Genug Zeit, um auch den anspruchsvollsten Profis gute Arbeitsbedingungen bieten zu können.
Der Termin Ende März, wenn die Anmeldefrist abgelaufen ist und das Feld steht, ist jedes Jahr ein Fixpunkt für die Planer. Bei einigen Profis wie dem dreimaligen Sieger Philipp Kohlschreiber und den Zverev-Brüdern stand die Teilnahme schon länger fest, bei anderen war sie sehr wahrscheinlich. Der Spanier Roberto Bautista Agut, der Italiener Fabio Fognini und der Franzose Gael Monfils haben den gleichen Sponsor, der sich praktischerweise auch in München engagiert und seine Spieler verlässlich zu Iphitos lotst. Andere Namen sind tatsächlich neu, wie der des 20-jährigen Russen Andrej Rublev. In der Summe aus Jung und Alt, Deutsch und International ist ein Feld entstanden, bei dem Turnierdirektor Patrik Kühnen nicht nur „eine Dichte wie in den letzten zehn Jahren nicht“ ausgemacht hat. Er sagt auch: „Da ist Zunder drin.“
Das soll heißen, dass es selten so viele Aspiranten auf den Titel, knapp 90 000 Euro Preisgeld, einen Sportwagen und eine Lederhose gab. Mit Zverev (Nummer 5), Bautista Agut (15), dem Argentinier Diego Schwartzman (16) und Fognini (18) sind vier Top-20-Spieler am Start, von den 15 Saisonbesten haben sich fünf angekündigt. Zu ihnen gehört auch der junge Südkoreaner Hyeon Chung, der letztes Jahr das Halbfinale erreichte, am Jahresende das „Next Gen ATP Finale“, eine Art Junioren-WM, gewann und im Januar bei den Australian Open ebenfalls im Halbfinale stand. Weil er „viele tolle Erinnerungen“ an München“ hat, wird er Ende April gerne wiederkommen und hofft „auf ein Finale gegen Alexander Zverev“, den Sieger des letzten Jahres.
Dass die deutsche Nummer eins zugesagt hat (wie auch die Landsleute Florian Mayer, Jan Lennart Struff und Maximilian Marterer), ist die wohl erstaunlichste Leistung des Turnierdirektors. Als Top-5-Spieler hat Zverev ein Niveau erreicht, wo man für Pausen bevorzugt jene Wochen wählt, in denen kleinere Turniere wie die BMW Open mit ihren 561 345 Euro Preisgeld stattfinden, bevor es weiter geht zu den Masters-Terminen in Madrid und Rom (wo der Hamburger letztes Jahr seinen ersten richtig großen Titel holte). Dennoch kündigte er bereits Anfang Februar sein Kommen an, um den Titel zu verteidigen. „Letztes Jahr hat für ihn hier vieles begonnen“, weiß Kühnen.
Läuft es weiter so gut für Zverev, könnte es schwierig werden, ihm die Reise nach München dauerhaft schmackhaft zu machen. Aber mit solchen Hindernissen kennen sie sich bei Iphitos seit vielen Jahren aus. Ende April, wenn der Schnee längst geschmolzen ist und es auch am Aumeister grünt und blüht, haben sie letztlich immer ein beeindruckendes Feld zusammenbekommen.