Düsseldorf – Es hat in Düsseldorf, wo sich die Nationalmannschaft traf, eine Runde gegeben. Ein Gipfeltreffen: Bundestrainer Löw, Torwarttrainer Köpke, Teamarzt Dr. Müller-Wohlfahrt und der Patient: Manuel Neuer. Thema: Schafft es der Torwart, zur WM spielbereit zu werden?
Joachim Löw hat sich nach dem Gespräch seinen Optimismus bewahrt: „Vernarbung und Knochenzusammenwachsung“ würden plangemäß verlaufen, Neuer könne den Mittelfuß, der zweimal schon brach, „zu 90 Prozent belasten – und diese Woche noch will er auf 100 Prozent steigern“. Löws Information ist auch, „dass Manu diese Saison noch einige Spiele für den FC Bayern machen wird“. Was aber wohl auch Voraussetzung dafür ist, dass der Bundestrainer sich auf eine Nominierung einlässt.
Er kann die Entwicklung noch einige Wochen abwarten, dabei stimmt ihn gelassen, dass die Neuer-Erbfolge geregelt wäre. Marc-Andre ter Stegen, 25, hat sich etabliert. Er ist Stammtorwart des FC Barcelona, „er passt mit seiner Art mitzuspielen perfekt zur Philosophie dort“, so Toni Kroos, der Spanien-Legionär beim anderen Spitzenklub, bei Real Madrid. „Messi mit Handschuhen“ hat man ter Stegen genannt, das wehrt der Geadelte als übertrieben ab: „Primäre Aufgabe ist es ja auch, die Bälle zu halten.“
Vor der EM 2012 debütierte er in der Nationalmannschaft. „Seine ersten Spiele, in der Schweiz, in den USA, die waren durchwachsen“, erinnert sich Löw an unglückliche Aktionen des damaligen Mönchengladbachers. Doch mittlerweile hat er mit Barcelona die Champions League gewonnen. „Er spielt eine Supersaison, ist ruhig, gelassen, man spürt seine gute Ausstrahlung, ist zur Persönlichkeit geworden und auf alles vorbereitet.“
Allerdings: Könnte man einem stabilen Marc-Andre ter Stegen einen halbrekonvaleszenten Manuel Neuer vor die Nase setzen? „Neidlos anerkennen“ werde er, was Neuer für Deutschland geleistet habe, versichert ter Stegen eine Nummer-eins-Forderung kommt ihm nicht über die Lippen. Details über Neuers Gesundheitszustand weiß er „ehrlich gesagt nicht“, glaubt aber, dass der Kollege schnell alte Klasse wiederfinden könne – auch wenn er selbst schon von Spielern gehört hat, „dass sie nach einem Jahr Verletzung erst mal gucken müssen, wo der Ball ist“. gük