Mit Papas Genen auf Torjagd

von Redaktion

Jill Roord möchte bei Bayern Vivianne Miedema nacheifern – und untermauert das mit Toren

München – Neulich beim 15:0 im Pokal über Saarbrücken schaffte Jill Roord sechs Tore. Persönlicher Rekord, so oft traf sie nie zuvor in einem Pflichtspiel. Tore liegen ihr allerdings im Blut, in den Genen. Papa Rene flitzte einst neben Marco van Basten in der niederländischen Juniorenauswahl. Er war schnell, doch eine Verletzung bremste ihn früh aus. Umso stolzer ist er jetzt auf Tochter Jill, die in ihrem ersten Jahr beim FC Bayern immer deutlicher ihre großen Ziele untermauert.

Seit sie denken kann, hatte sie einen Ball bei sich, erzählt Roord. Mit fünf trat sie einem Verein bei, beim FC Twente reifte sie zur Nationalspielerin. Letztes Jahr wurde sie mit 21 Treffern Torschützenkönigin, danach sagte sie sich: „Ich bin bereit für die nächste Stufe.“ Als die Münchner Anfrage kam, zögerte sie nicht. „Das ist einer der besten Vereine der Welt, auch im Frauenbereich – es war mir sofort klar, dass ich da hinmöchte.“

Die Gespräche mit Cheftrainer Thomas Wörle hatten sie überzeugt, dazu holte sie sich Informationen bei Vivianne Miedema. Ihre Landsfrau stürmte bis zum Sommer drei Jahre für Bayern, ehe sie beim EM-Sieg von Oranje vor zehn Monaten als eine der Turnier-Besten auftrumpfte. Inzwischen spielt sie für Arsenal. Miedema ist mit ihrem Werdegang ein Vorbild, sagt die 20-Jährige, „ich will auch eine große Spielerin werden, und Viv hat mir gesagt, dass Bayern eine optimale Chance ist, um sich zu entwickeln. Ich bin sehr zufrieden mit diesem Schritt. Alles läuft so, wie ich es mir gewünscht habe. Ich hoffe, ich schlage die gleiche Richtung wie Viv ein.“

In München hat sie sich in den vergangenen Monaten an die erste Elf herangetastet, in der Nationalmannschaft zählt sie ebenfalls zu den aufstrebenden Kräften. „Ich bin nah dran an der ersten Elf, das bestätigen mir auch meine Trainer“, sagt sie. In einem Jahr wird die WM in Frankreich stattfinden – Jill Roord, die beim EM-Coup nur als Ergänzung geführt wurde, möchte dann auf dem Platz stehen. „Das ist mein Ziel. Ich will spielen, wenn es losgeht.“

Der Wechsel nach München soll der Schlüssel sein, in die absolute Spitzenklasse vorzustoßen. Die Bedingungen auf dem FC Bayern Campus hätte sie sich nie erträumt, sagt sie, und bei diesen Möglichkeiten hat sie die Meisterschaft längst nicht abgeschrieben. „Im Fußball ist immer alles drin. Wir haben enorme Qualität und können viel erreichen.“ Die deutsche Mentalität liegt ihr. „In den Niederlanden ist alles relaxter“, erzählt sie, „aber ich mag diese Disziplin hier, ich brauche das, sie hilft mir, jeden Tag besser zu werden und meine Ziele zu erreichen. Ich finde die Einstellung positiv.“

Da klingt sie sehr nach Arjen Robben, der Biss ihres Landsmanns ist im Münchner Männerteam nur zu gut bekannt. Getroffen haben sich die beiden bisher noch nicht, sagt Roord, aber vielleicht schreibt sie ihm demnächst mal eine Nachricht, ob er für sie Zeit hat. „Er ist für uns alle ein Idol.“ Sollte die Terminnot ein Problem sein, hat die 20-Jährige eine gute Lösung. „Dann müssen wir halt einen Titel holen. Ich habe gehört, dass die Männer und Frauen immer gemeinsam hier auf dem Rathausbalkon feiern. Das wäre doch der perfekte Anlass“, sagt sie lachend.

Was sie vermisst? Das typische Brot von zuhause. Ihre Mama brachte neulich beim Spiel in Köln etwas Vorrat mit. „Jetzt bin ich eine Weile versorgt“, sagt sie. Sie muss nicht Hunger leiden – die niederländischen Gene sind befriedigt. Und wenn sie das morgen im Heimspiel gegen Hoffenheim (14 Uhr) wieder mal in Tore ummünzt, wäre der Papa wieder mal mächtig stolz.   ANDREAS WERNER

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