Ein Test, der verzückt

von Redaktion

Viele Weltklasse-Aktionen beim 1:1 im Weltmeister-Duell zwischen Deutschland und Spanien

Von Günter Klein

Düsseldorf – „Etwas Größeres als eine WM gibt es nicht.“ Mit diesem Satz hatte Joachim Löw die letzte Maßnahme vor der Nominierung eingeleitet, die Nationalmannschaftswoche mit den Länderspielen am Freitagabend gegen Spanien und am Dienstag gegen Brasilien. Vor vier Jahren um diese Zeit hatte er Mühe, seine Botschaft durchzubringen, damals schluderten einige Spieler in der Liga, und das übertrug sich auf die DFB-Auswahl. Diesmal aber stellte sich tatsächlich das erwünschte WM-Vorgefühl ein. Deutschland und Spanien, die Weltmeister von 2014 und 2010, bespielten sich auf hohem Niveau. Freundschaftlich, aber entschlossen. Endstand: 1:1. Deutscher Torschütze war Thomas Müller.

Endlich mal nicht der übliche Testspiel- oder Qualifikationsbrei, bei dem der Gegner stark geredet werden muss. Die Düsseldorfer Arena – das Dach geschlossen, der Wind blieb draußen, es herrschte behagliche Wohnzimmertemperatur – war ausverkauft, vor dem Stadion an der U-Bahn-Station standen alle paar Meter Verzweifelte mit Pappkartons: „Ticket gesucht.“

Es war ja auch eine Starparade geboten, Spanien bot seine Größen aus den Champions-League-Übertragungen mit Barcelona, Real und Atletico auf. Isco ist einer der jungen auffälligen Spieler, die Garde der alten auffälligen Spieler führt Andres Iniesta an, der schon so lange ein Begriff ist, dass er um die 40 sein müsste. Doch er ist seit Jahren erst 33 – und kann immer noch Tore genial vorbereiten. Das zeigte er mit seinem Durchsteck-Pass auf Rodrigo Moreno. Der Mittelstürmer (ein echter, was es im System der Spanier lange nicht mehr gegeben hat) lupfte den Ball über DFB-Tormann ter Stegen – 0:1 in der 6. Minute.

Das Kurzpassspiel ist das Merkmal der Iberer geblieben, bei Bedarf können sie auch kontern; auch daraus entstand eine größere Chance, als Jonas Hector sich bei einem hohen Ball verschätzte und eine Sekunde später Silva frei vor dem deutschen Kasten stand (18.).

Jogi Löw hatte prominent und unexperimentell aufgestellt. Die Startelf war WM-verdächtig, sie versuchte, die Herrschaft über das Spiel zu bekommen. Kimmich war agil mit seinen Flanken von rechts, doch Timo Werner, der in der Mitte stand, hat andere Stärken als den Kopfball. Seine beste Szene hatte er, als er in einen Khedira-Pass hineinstartete und dem spanischen Tor zustrebte – der Schuss ging knapp vorbei.

Der Ausgleich dann eben auf die kerndeutsche Art: per Fernschuss, Erledigte Thomas Müller in der 35. Minute. Unters Dach, perfekter Schuss. Man merkt es dem Bayern an: Es ist WM-Jahr.

In der zweiten Halbzeit einige Wechsel (beim DFB-Team Khedira verletzungsbedingt) – doch kein Nachlassen an Qualität. Beide Torhüter bekamen was zu tun, ein Fußreflex von ter Stegen gegen Isco war Manuel-Neuer-like (56.). Interessant die Einwechslung von Leroy Sané. Einer, den man selten spielen sieh (nur im TV bei Manchester City), einer, der die Farbe eines Spiels verändern kann. Das tat er nicht, eher hatte die deutsche Mannschaft bei eingen Abwehrquerschlägern auch Glück, dass nicht ein zweites Tor fiel. 1:1 war aber okay, der Beifall kam aus allen Ecken der Arena.

Best never rest – so lautet der neue DFB-Spruch. Die Besten ruhen sich niemals aus. Und Best never test. Sie spielen immer ernsthaft. Dann wäre das Publikum so zufrieden wie diesmal.

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