München – Fast ein Jahr ohne Fußball. So schnell kann es gehen. Manuel Neuer erlitt im Champions League-Halbfinale gegen Real Madrid im Frühjahr 2017 seinen ersten Fußbruch, dann stand er zum Saisonstart zwar kurz im Tor, seit Mitte September und einer erneuten OP aber muss der Bayern-Star zuschauen. Gestern erlebte er nun „einen emotionalen Tag“, sagte er im vereinseigenen TV, „weil ich das erste Mal bei 100 Prozent gelaufen bin – es gab keine Reaktion vom Fuß“. Eine Rückkehr sei nun „absehbar“.
Morgen wird eine weitere MRT-Untersuchung stattfinden. Sollte sie positiv ausfallen, wolle Neuer „im Laufe der nächsten Woche auf dem Platz laufen“. Dann sei er immerhin schon mal an der frischen Luft, sagte er. Der Tapetenwechsel vom Kraftraum aufs Grün wäre ein feines Geburtstagsgeschenk, denn am Dienstag feiert er seinen 32. Jubeltag. „Das heute war ein wichtiger Schritt für mich.“
Zwischen den Zeilen ließ der Nationaltorwart durchklingen, dass seine Situation prekär ist. Es sei „wichtig, dass dem Fuß jetzt nichts mehr passiert, denn dann könnte es wirklich um die Karriere gehen“, meinte er. In all den Monaten zuvor hatte ein mögliches Ende der Laufbahn offiziell nie zur Debatte gestanden. Wann er wieder zwischen den Pfosten steht, ließ Neuer weiter offen. Dass er im Saisonausklang noch ein paar Spiele für die Bayern bestreitet, hält er für „realistisch, aber einen Zeitpunkt zu nennen, ist sehr schwer“. Die Karriere steht auf dem Spiel, da geht man kein Risiko. Er sei trotz allem zuversichtlich, dass er bis zur WM Mitte Juni wieder zu alter Stärke findet, sagte er: „Ich bin kein junger Spieler, der wenig Erfahrung hat, sondern der diese Automatismen im Blut hat.“
Für sein Comeback arbeite er hart, erzählte der Torwart, die Therapie-Maßnahmen und Reha-Übungen würden ihn an seine „Grenzen führen – es ist schon sehr anspruchsvoll“. Als er Anfang der Woche die Nationalelf besucht hatte, habe er „das WM-Fieber gespürt“. Es sei ihm wichtig, bald wieder zu spielen: „Damit man mich mal wieder sieht und ich nicht ohne Einsätze zur Nationalelf zurückkehre.“ ANDREAS WERNER