Vier Tore, viel gute Laune

von Redaktion

Löwen-Antwort auf die Qualitätsdebatte: ein 4:1-Sieg gegen Garching – Winterzugang Görlitz erstmals im Einsatz

von uli kellner

München – Der siebte Heimsieg in Folge war längst unter Dach und Fach, als Daniel Bierofka noch ein kleines Extrazuckerl für den eh schon beschwingten Anhang parat hatte. Michael Görlitz, seit Winter neu im Kader, vorher lange verletzt gewesen, kam zu seinem ersten Einsatz im 1860-Trikot und hatte offensichtlich den Auftrag, sich einfach ein bisschen im Offensivzentrum auszutoben. Diesem wurde er gerecht. Keine 30 Sekunden auf dem Platz, gab er seinen ersten Torschuss ab (drüber). Auch den Rest seines Zehn-Minuten-Einsatzes verbrachte er in Lauerstellung um den Strafraum herum. Am 4:1 (3:0)-Erfolg gegen Garching änderte das zwar nichts, doch das Debüt des früheren Zweitligaspielers fügte sich ein in die Flut an Positivereignissen an diesem Freitagabend. Vorsprung auf die Bayern auf zwölf Punkte ausgebaut, erstmals seit dem Sommer wieder ein Torspektakel geboten. Mit Görlitz zudem einen neuen Hoffnungsträger in Stellung gebracht. Ein rundherum gelungener Abend. „Was mir heute gut gefallen hat, war die Intensität in unserem Spiel“, sagte 1860-Coach Bierofka: „Klar: Man kann immer besser spielen, aber das war schon ganz ordentlich heute.“

Auch der vierte Heimsieg binnen 17 Tagen schien zunächst dem inzwischen gewohnten Strickmuster zu folgen. Die Löwen gingen früh in Führung, natürlich durch eine Standardsituation: Wieder einmal war es Jan Mauersberger, der eine Ecke von Phillipp Steinhart mit dem Kopf bzw. der Schulter in die Maschen beförderte, diesmal in der 13. Minute. So weit, so vertraut – wie auch der Leerlauf in den 20 Minuten danach. Dann jedoch wich das Drehbuch vom gewohnten Plot ab. Die Löwen schossen ein schnelles zweites Tor, wieder nach einem Eckball, diesmal war Markus Ziereis der Nutznießer, der nach einem Kopfball von Sascha Mölders abstaubte (36.). Und dann: War plötzlich Stimmung in der Bude und im Spiel, was nicht zuletzt an den mutigen Garchingern lag.

Die Löwen beklagen sich ja gerne über Gegner, die tief hinten drinstehen und den Kargers und Kindsvätern den Weg in den Strafraum verbarrikadieren. Das Team von Bierofkas Fortbildungs-Spezl Daniel Weber agierte erfrischend anders: Suchte stets spielerische Lösungen, attackierte, traute sich was, und mit ein bisschen Glück hätten die Bemühungen des VfR sogar zu ein, zwei Treffern führen können. In der 32. Minute fehlten nur wenige Zentimeter und Kirim Kelmendi hätte einen Lupfer im Tor von Marco Hiller untergebracht. Zwei Minuten später durfte Dusan Jevtic unbehelligt auf den Löwen-Kasten köpfen.

Aus dem 1:2 der Garchinger wurde nichts. Wohl aber mit einem weiteren Novum vor der Pause. Die Löwen sorgten ungewohnt früh für eine Art Vorentscheidung – und ausnahmsweise mal nicht nach einem Standard. Die offensiven Garchinger hatten die Gastgeber zu einem Konter eingeladen – Mölders lief aufs VfR-Tor zu und bediente im letzten Moment Benjamin Kindsvater, der gemütlich ins leere Tor einschieben durfte (44.).

Das Spiel blieb auch nach der Pause unterhaltsam, obwohl (oder gerade weil) sich die Löwen Momente der Unachtsamkeit gönnten. Eine davon nutzte der zuvor eingewechselte Manuel Eisgruber (61.). „Bewegt Euch!“, brüllte ein wütender Fan auf der Tribüne, was Mölders einen Tick zu wörtlich nahm. Nach einem Freistoß, der gegen ihn gepfiffen wurde, fuchtelte er so lange mit den Armen in Richtung Schiedsrichter, bis der sich mit einer Gelben Karte wehrte. Pech für Mölders: Es war seine zehnte, was eine Pause nach sich zieht. Womöglich sieht er es aber auch als Glück an, denn am Mittwoch in Fürth ist sein Fehlen leichter verschmerzbar als beim darauffolgenden Auswärtsspiel in Schweinfurt.

Ehe er sich in eine vorösterliche Pause verabschiedet, spendete Mölders noch ein Törchen. 4:1 hieß es nach 75 Minuten – Startschuss für euphorische Dauergesänge der 1860-Fans („Noch einmal Deutscher Meister…“). Aber nicht mit Bierofka, der zu Bodenhaftung aufrief: „Wir müssen scharf und gierig bleiben“, mahnte er: „Jetzt nachzulassen, wäre der größte Fehler.“

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