Basketball

Wilbekin zerstört Bayerns Traum

von Redaktion

83:87 in Spiel zwei – Mit 41 Punkten ebnet der Spielmacher Darüssafaka Istanbul den Weg ins Finale des Eurocup

VON Patrick Reichelt

München – Man hat das Knistern im Audi Dome regelrecht spüren können. In den vergangenen Tagen hatten schon. Auf allen Kanälen hatten die Basketballer des FC Bayern beschworen, dass diese Eurocup-Halbfinalserie in München noch kein Ende nehmen würde. Doch es nutzte nichts, weil der Bundesliga-Tabellenführer nun doch ein zweites Mal knapp in Darüssafaka Istanbul seinen Meister fand. Ein 83:87 (44:41) stand am Ende ziemlich unbarmherzig auf der Anzeigetafel. Womit die Reise nach Europa für diese Saison also zu Ende ist. Dem ersten Halbfinale der Klubgeschichte können sie frühestens im nächsten Jahr das erste Endspiel in Europa folgen lassen. Präsident Uli Hoeneß war dennoch nicht unzufrieden: „Was will man gegen so eine Saison sagen – wir waren im Halbfinale, das kann sich sehen lassen.“

Wobei die 6043 Zuschauer in der Arena am Westpark – darunter nicht zuletzt auch der kickende Edelfan Arjen Robben – von Beginn an vor Augen geführt bekamen: Diese Bayern standen längst nicht mehr unter dem Schock der bitteren Auftaktniederlage am Bosporus. Das Team von Trainer Sasa Djordjevic packte in der eigenen Zone entschlossen zu. Und im Angriff spielten die Münchner mit einem Selbstbewusstsein, dass nahe an den fast schon perfekten Auftritt in Halbzeit eins in Istanbul erinnerte.

Vor allem Reggie Redding, im ersten Duell so etwas wie der Unglücksrabe durch seinen Ballverlust 12 Sekunden vor dem Ende, nahm das Heft in die Hand. Der erste Dreier der Partie ging auf sein Konto. Auch seiner neun Punkte wegen waren die Bayern über den gesamten ersten Durchgang am Drücker, zogen schnell auf sieben Punkte davon.

Doch Darüssafaka hatte eine bekannte Waffe dagegen. Scottie Wilbekin, der amerikanische Spielmacher, hatte den Bayern schon in Istanbul so manchen Knoten in die Beine gespielt. Und diesmal wirbelte Wilbekin noch schlimmer, so sehr sich die Münchner auch mühte. 19 Zähler hatte er bereits zur Pause angesammelt. Und die Art wie er mit der Pausensirene den Ball aus vollem Lauf von der Dreierlinie durch die Reise schubste ließ erahnen – an diesem Abend würde der 24-Jährige den Ball zur Not auch aus dem Teambus versenken. Auch Hoeneß war beeindruckt: „Gegen ihn gab es einfach kein Mittel“, sagte er, „so etwas habe ich noch nie gesehen.“

Und nach dem Wechsel nahm das Duell FC Bayern gegen Scottie Wilbekin sogar noch weiter Fahrt zugunsten des US-Amerikaners auf. Jared Cunningham mühte sich an ihm ab, Anton Gavel, Vladimir Lucic. Aber nicht einmal mit vereinten Kräften war der alles überragende Mann dieser Halbfinalserie zu stoppen. Acht von elf Distanzwürfen hatte der Mann, der im Vorjahr mit Darüssafaka noch in der Euroleague spielte, nach drei Vierteln versenkt. 31 Punkte garnierte er mit vier Vorlagen-

Die Bayern setzten den Kampf dagegen und so entstand die nächste hochdramatische Schlussphase. In der den Bayern dann allerdings zur Unzeit das Wurfglück abhanden kam. Auf der anderen Seite traf – wer sonst – natürlich Scottie Wilbekin ins Schwarze. Ein Dreier, einen Korbleger hinterher zu seinen Punkten 37 bis 41 – aus war er, der Münchner Traum von Europa. Vom kommenden Sonntag an heißt die Realität wieder Bundesliga. Einfach wird die Sache auch da nicht. Um 17.30 Uhr ist der schärfste Verfolger Alba Berlin im Audi Dome zu Gast.

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