Kurioses Urteil nach brutalem Foul

Fußball und Moral

von Redaktion

Immer wieder wird es gefordert, in Brasilien hat es ein Sportgericht in Rio nun umgesetzt: Der Fußballer Rildo wird solange gesperrt, wie sein Opfer Joao Paulo zur Genesung benötigt. Das Foul war zu brutal, zudem ist Rildo ein Wiederholungstäter. Es wird eine Weile bis zu seiner nächsten Blutgrätsche dauern: Joao Paulo brachen Schien- und Wadenbein.

Ob das Beispiel aus dem Stadtderby Botafogo gegen Vaco da Gama weltweit Schule macht, ist dennoch zu bezweifeln. Fußball und Moral spielten selten Doppelpass, und die Einführung solcher Strafmaßnahmen wäre kompliziert. Das Foulspiel, so hart es klingt, gehört zu dem Sport. Feingeister werden protestieren, aber die Wahrheit ist: Es macht sogar Teile des Reizes auf der Jagd nach dem Ball aus.

Wer für einen beherzten Zweikampf ist, muss das Foul in Kauf nehmen – und ist dennoch noch weit davon entfernt, ein Plädoyer dafür zu halten. Fakt ist nun einmal, dass im Fußball nicht immer die Gerechtigkeit siegt – und dass (leider) auch nicht immer der Gute gewinnt wie im Kino. Sepp Herberger sagte mal: „Die Leute kommen zum Fußball, weil sie nicht wissen, wie das Spiel ausgeht.“ Wie wahr.

Das Foul als Stilelement wird zwar bekämpft, und das mit sinnvollen Maßnahmen wie strikten Sanktionen nach Grätschen von hinten oder spielentscheidenden Notbremsen. Doch es wird immer seine kleine, hässliche Nische besetzen. Der Fußball von heute hat ohnehin schon eine ordentliche Distanz zu früher aufgebaut. Einst galten Eisenfüße wie Dieter Schlindwein als Kult, aber das ist lange her. Zu ihm sagte Jürgen Klinsmann einst vor dem Anpfiff auf St. Pauli: „Das ist aber ein weiter Weg bei euch von den Kabinen zum Platz.“ Darauf Schlindwein: „Macht nichts. Zurück wirst du getragen.“

Wie weit es mit der Moral und dem Fußball ist, zeigt auch das Beispiel des Türken Alpay Özalan, der bei der EM 1996 als letzter Mann den Kroaten Goran Vlaovic auf dem Weg zum Siegtor nicht umtrat. Von der UEFA bekam er den Fair-Play-Preis, zuhause wurde er mit Eiern beworfen. „Ich kann mir selbst nicht vergeben“, sagte er. Jahre später wurde er nach einem Handgemenge sechs Spiele gesperrt. Lieber Raubein als Weichei, so ist das im Fußball. Daran ändert auch ein Gerichtsurteil in Brasilien nichts.

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